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Artikel

Autor(en): Martin Groß
Redaktion: FVA, Deutschland
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Erfahrungen mit der Douglasie im Landkreis Lörrach

Vorrats- und Flächenanteil der Baumarten
Abb. 1: Vorrats- und Flächenanteil der Baumarten (Staatswald (SW) "Alt-Kandern").
 
Deutschlands höchster Maibaum, Dgl 58 m
Abb. 2: Dgl mit 58 m, Deutschlands höchster Maibaum beim Transport (2006, SW-Revier Sandel).

Die mit Abstand ältesten und stärksten Douglasien im Landkreis Lörrach stehen im Staats- und Gemeindewald des ehemaligen Forstamtes Kandern. Der erste Anbau, die so genannte "Teuffelstanne", stammt aus dem Jahre 1879. Zwischen 1907 und 1936 wurde der Douglasienanbau durch den Amtsvorstand Wilhelm Hamm konsequent gefördert. Aus dieser Ära ist ein großes Potential starker, früh und hoch geasteter Douglasien in vielgestaltigen Mischbeständen und auf einer breiten Standortspalette hervorgegangen, die in die Zieldurchmesser einwachsen und zunehmend auf den Markt kommen.

Vorkommen

Die Einbringung der Douglasie erfolgte über lange Zeit trupp- bis gruppenweise vor allem zur Ausbesserung von Schnee -und Eisbruchlücken, zur Ausbesserung von Naturverjüngungen oder entlang von Wegen. Eine relativ große Stammzahl wurde früh und hoch geastet (10–15 m). In den Altbeständen wurden häufig 200–300 Bäume/ha geastet. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Douglasie großflächiger angebaut und zum Umbau mattwüchsiger Buchenbestände eingebracht. Der Anteil an Douglasien-Reinbeständen blieb aber gering. Seit 1992 erfolgte kein flächiger Anbau mehr. 51 % des Douglasienvorkommens befindet sich in Fi-Ta-Bu-Beständen unterschiedlichster Zusammensetzung.

Im Staatswald des ehemaligen Forstamts Kandern (3.105 ha) beträgt der Vorratsanteil der Douglasie 15 % oder 161.000 Fm, davon haben laut der BI 2007 101.000 Fm einen BHD von mindestens 50 cm. Die hohe Qualität der Bäume lässt sich vor allem durch den Anteil von 163 ha zugelassenen Erntebeständen verdeutlichen.

Douglasienmärkte

Die Douglasienmärkte sind ausgeprägte Wachstums- und Nischenmärkte, weshalb die bundesweite Nachfrage nach hochwertigen Erdstämmen derzeit nicht gedeckt werden kann. Da sich die Douglasienmärkte aber national sowie international weiterhin in Entwicklung befinden (Beispiel: Schlossdielen), kann nur eine gesicherte Versorgung die Produktentwicklung weiter fördern. Die Durchschnittspreise – auch der Massenware – lagen in den letzten Jahren sehr deutlich über denen der Fichte und die Preisrelation innerhalb der Douglasiensortimente entwickelte sich zugunsten des starken Wertholzstammes. Betrug der Mehrerlös für A-Holz gegenüber B-Holz 1997 bei der Douglasie 41 Euro/Fm, so beträgt er zurzeit näherungsweise 100 Euro/Fm.

Die Produktpalette ist vielseitig, die Käuferstruktur ebenso. Waren es vor 20 Jahren nur einige wenige Spezialbetriebe, die Douglasienholz einschnitten, werden heute eine Vielzahl von Douglasienkunden beliefert. Bisher wurde sehr stark produkt- und kundenorientiert eingeschlagen, was den Kunden eine gewisse Planungssicherheit gab. Douglasie profitiert vom Trend zu farbigen Hölzern, wobei eine zunehmende Substitution des immer knapper werdenden Lärchenholzes erfolgt.

Die Absatzmöglichkeiten in die Schweiz verbessern sich zunehmend. Douglasienholz mit großem, astfreiem Durchmesser ist weitgehend einzigartig in diesem Produktbereich und besonders für hochwertige Einschnitte (Rift/Halbrift) prädestiniert. Während sich die Absatzmöglichkeiten für PZ-hölzer und B/C-Lose sehr stark ausgeweitet haben, ist der Markt für starkastiges C/D-Stammholz nach wie vor nur bedingt aufnahmefähig. Dies ist das einzige "Problemsortiment". Im Bereich der Palette findet die Douglasie aber zwischenzeitlich uneingeschränkte Verwendung.

Durch Umstellung des früher üblichen Freihandverkaufs hin zur beschränkten Ausschreibung konnte der Durchschnittserlös für höherwertige Hölzer auf im Durchschnitt 208 Euro/Fm gesteigert werden (2009/2010). Dabei ist anzumerken, dass es am Furniermarkt für heimische Douglasie bisher kaum Absatzmöglichkeiten gibt. Das ausschlaggebende Qualitätsmerkmal ist eindeutig die Astreinheit. Bei den Ausschreibungen hatten die Merkmale Jahrringbreite, Verkernung, Exzentrizität, äußerliche Streifschäden oder kleine Fäulen keinen oder nur einen deutlich geringeren Einfluss auf den Verkaufserlös.

Sortenanfall Stammholz im Staatswald Lörrach 1999–2077   Entwicklung der Stammholzdurchschnittserlöse
Abb. 3a: Sortenanfall Stammholz im SW Lörrach 1999–2077.   Abb. 3b: Entwicklung der Stammholzdurchschnittserlöse für Fi/Ta im Vergleich zu Dgl (SW Lörrach).

Behandlung

Sehr positive Erfahrungen konnte mit der trupp- bis horstweisen Einbringung im Bergmischwald und in buchendominierten Beständen gemacht werden. Die Bestände sind stabil, flexibel in ihrer Umtriebszeit und ästhetisch überzeugend. Der A-Anteil der Douglasienverkäufe im Staatswald liegt bei 10 %, der C- und D-Holzanfall ist deutlich geringer als bei Fichte. Dies liegt zum einen am großen Umfang hoch geasteter Bäume. Zum anderen führen der starke Seitendruck der Buche und der Konkurrenzdruck innerhalb von Douglasiengruppen immer wieder zu nach oben geschobenen Kronen und reduzierter Grobastigkeit. Zur Erzielung von Wertholz ist die Astung jedoch unabdingbar.

Douglasien-Wertholzplatz   Spitzenstamm mit einem Erlös von 264 €/Fm
Abb. 4: Douglasien-Wertholzplatz.   Abb. 5: Spitzenstamm mit einem Erlös von 264 €/Fm.

Douglasie – eine invasive Baumart?

Entgegen früherer Annahmen ist das "invasive Potential" der Douglasie zumindest auf den hiesigen Urgesteinsböden gering. Naturverjüngungsvorräte aller Baumarten sind auf 45 % der über 60jährigen Bestände vorhanden. Der gesamte Naturverjüngungsvorrat hat von 519 ha (1996) auf 879 ha (2007) zugenommen, wobei mit 44 % die Naturverjüngung sehr deutlich von der Buche dominiert wird. Die Douglasie hat mit nur 7 % Naturverjüngungsanteil ihren Flächenanteil lediglich gehalten, während beispielsweise der Tannenanteil in diesem Zeitraum von 10 % auf 14 % zugenommen hat. Am 10-jährigen Verjüngungsziel soll die Douglasie einen Anteil von 14 % haben, dies erfordert gegebenenfalls ein Eingreifen in buchendominierten Verjüngungen zugunsten der Douglasie. Die Steuerung über den Lichtgrad ist aufgrund der oft sehr vitalen Buchen- und Tannenverjüngung erschwert, daher ist auch eine gelegentliche Mischwuchsregulierung unter Schirm erforderlich.

Neben der Förderung der Naturverjüngung soll die Douglasie zukünftig verstärkt künstlich als Wert schaffende Mischbaumart in unvollständige Buchen-Naturverjüngungen eingebracht werden.

Verjüngungsvorrat – Vergleich Inventur 1996 mit 2007   Baumarten- und Verjüngungsflächen
Abb. 6: Verjüngungsvorrat – Vergleich Inventur 1996 mit 2007 (SW "Alt-Kandern").   Abb. 7: Baumarten- und Verjüngungsflächen: die Dgl ist im Verjüngungsvorrat unterrepräsentiert (SW "Alt-Kandern", 2007).

Probleme und offene Fragen

Ein waldbauliches Problem stellt die extrem feinastige aber spindelige Douglasie unter Schirm dar. Weiterhin ungeklärt ist die Wurzelausbildung und somit die Stabilität von oft 20 bis 30 Jahre lang überschirmten Douglasien sowie teilweise auch die Verjüngungsökologie. Forstschutzprobleme sind zum einen zunehmende Ausfälle durch Schütte und zum anderen die Schneedruck-Anfälligkeit von reinen Douglasien-Verjüngungsbeständen. Während es keine Absatzprobleme für A- oder B/C-Lose gibt, ist der Markt bisher für starkastiges C/D-Stammholz nur begrenzt aufnahmefähig.

Big Tipi aus Douglasie auf der Expo Hannover
Abb. 8: Big Tipi aus Douglasie auf der Expo Hannover.

Fazit

Die Douglasie ist eine ästhetische, flexible und leistungsfähige Baumart. Ihre Produktionszeit ist sehr variabel. Sie ist aber auch eine "ehrliche" Holzart, da vor allem die "inneren" Qualitätsmerkmale von den Holzkäufern leicht eingeschätzt werden können. Mit frühzeitig geastetem Wertholz können Mehreinnamen von 80–100 % erzielt werden. Douglasienwertholz wurde in der Vergangenheit immer wertvoller und wird auch zukünftig wertvoll sein. Der Douglasienmarkt expandiert, da die Einsatzbereiche ständig erweitert werden und neue Produkte entstehen. Die Douglasie verjüngt sich auf einer breiten Standortspalette, ihr Verjüngungsdruck wurde unter den hiesigen Verhältnissen (Fagetum) aber erheblich überschätzt.

Die Douglasie wird die heimische Tanne keinesfalls verdrängen, gegebenenfalls wird der Förster steuernd eingreifen!

Kontakt

Dr. Martin Groß
Landratsamt Lörrach
Forstbezirksleiter Kandern
martin.gross @ loerrach-landkreis.de

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