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Dr. Hans-Joachim Klemmt

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Boden und Klima
Hans-Carl-von-Carlowitz-Pl. 1
D-85354 Freising

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Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Alternativen zur Eiche

Eichenverjüngung
Abb. 0: Trotz üppiger Naturverjüngung hätten die Eichen auf den meisten Standorten in Bayern natürlicherweise große Probleme, sich gegen die übermächtige Buchenkonkurrenz durchzusetzen (Foto: C. Schwab).

Die Eiche ist mit 6,1 % Anteil die zweithäufigste Laubbaumgattung in Bayern. Unter den heutigen Ausgangsbedingungen wäre Bayern natürlicherweise aber ein Buchenland, und die Eichen hätten große Probleme, sich gegen die auf den meisten Standorten übermächtige Buchenkonkurrenz durchzusetzen. Nur in den Flussauen, auf grundwassernahen Standorten, auf Tonböden in trocken-warmer Klimalage sowie auf flachgründigen, bodensauren Standorten, könnten Mischwälder stocken, in denen auch Eichen eine größere Rolle spielen. Eichen wären in der heutigen potentiellen natürlichen Vegetation eher selten. In heutigen "naturnahen" Wäldern wachsen sie fast immer mit anderen Baumarten zusammen im Mischbestand. Vor allem weil sie langlebig, genügsam, stresstolerant und regenerationskräftig sind, können sie sich untern ihren Konkurrenten nachhaltig behaupten.

Wertvolle Eichen

Eichen werden von alters her vielseitig genutzt. Das Holz wurde zu vielen Zwecken verwendet, nicht zuletzt als Konstruktionsholz im Fachwerkbau. Die Rinde war ein wichtiger Rohstoff für das Gerben von Leder, die Früchte wurden von umherziehenden Schweineherden gefressen. Durch die menschliche Förderung ist der Eichenanteil in vielen Beständen "unnatürlich" hoch geblieben. Durch das Nachlassen der Bevorzugung der Eichen entwickeln sich die Bestände heute zu mischbaumartenreichen Wäldern mit Edellaubbäumen und Buchen. Selbst in der Vegetationskunde spricht man nicht mehr wie früher von Eichen-Hainbuchenwäldern, sondern neutraler von Hainbuchenwäldern. Wenn man, auch aufgrund der aufgetretenen Schäden, Alternativen zur Eiche sucht, dann geht der Blick hin zu den Begleitern der Eichen in den natürlichen Mischwäldern.

Begleiter und Gefährten

Hainbuchen-Mischwälder besitzen einen für Mitteleuropa außerordentlichen Baumartenreichtum. Neben den beiden Eichenarten gehören beispielsweise im Labkraut-Hainbuchenwald Hainbuche, Winterlinde, Rotbuche, Feldahorn, Vogelkirsche, Esche, Elsbeere, Bergahorn, Spitzahorn, Sommerlinde, Kiefer, Sandbirke und Aspe sowie die selteneren Wildobstarten und die Feldulme dazu. Es spricht vieles dafür, die gesamte Palette dieser Baumarten zu nutzen. Zum einen bieten auch diese bei entsprechender Erziehung hervorragende Verwertungsmöglichkeiten, zum anderen sinkt durch sie das Betriebsrisiko.

Die Möglichkeiten, ein breit gefächertes Baumarten-Portfolio auf engstem Raum unterzubringen, sind selten so günstig wie in den von Natur aus mischbaumartenreichen Waldgesellschaften. Dies gilt neben den Hainbuchen-Mischwäldern auch für die Hartholzauenwälder und – in geringerem Maße – sogar für die Eichenmischwälder saurer und trockener Standorte. Aber die waldbauliche Behandlung von Mischbeständen ist anspruchsvoll.

Nachhaltige Konzepte im Klimawandel

Klimahüllen verschiedener Baumarten
Abb. 1: Klimahüllen von Traubeneiche, Stieleiche, Elsbeere, Feldahorn und Hainbuche (nach Kölling 2007)

Für die gegenwärtig herrschenden Klimaverhältnisse ist es ein gangbarer, wenn auch anspruchsvoller Weg, labile Eichenreibestände oder eichenreiche Bestände hin zu mischbaumartenreichen Beständen zu entwickeln. In diesen weiterentwickelten Beständen kommen Eichen zwar vor, aber sie dominieren nicht den Kronenraum.

Bei einem Klimawandeln mit einer Temperaturerhöhung von etwa zwei Grad Celsius weisen selbst die wärmsten Regionen Bayerns immer noch ein den Eichen zuträgliches Klima auf (Abb. 1). Das bedeutet natürlich nicht, dass die Eichen heute und in Zukunft risikofreie Baumarten wären. Es ist lediglich so, dass die Eichen auch bei Änderung des Klimas keine anderen Risiken erwarten lassen als diejenigen, denen sie in anderen Regionen Europas bereits jetzt ausgesetzt sind. Daher wird den Eichen bayernweit ein geringes Anbaurisiko zugesprochen; diese Baumart kann nach wie vor als angepasst und empfehlenswert gelten.

Es bleiben den Eichen aber mit großer Sicherheit die altbekannten Anbaurisiken erhalten, welche häufig auf Waldschutzproblemen beruhen. Darüber hinaus kann es vorkommen, dass wir mit dem Klimawandel auch das Schädlingsspektrum wärmerer Regionen übernehmen. Man muss daher darauf gefasst sein, dass sich die Waldschutzprobleme in Eichenbeständen auch im Klimawandel fortsetzen werden und daher gewisse Vorsichtsregeln beachtet werden sollten.

"Artgerechte Eichenhaltung"

Erfolgreicher, risikoarmer Waldbau mit Eiche verlangt nach Mischbaumarten. Dabei müssen auch die Mischungselemente auf ihre Anfälligkeit gegenüber dem Klimawandel überprüft werden. Einige der natürlichen Eichenbegleiter, wie der Feldahorn oder die Elsbeere, sind bei uns zwar selten, aber in den wärmeren Regionen Europas auf geeigneten Standorten häufig. Gemeinsam sind diesen Arten die Toleranz gegenüber einem warm-trockenen Klima und gleichzeitig eine gute Anpassung an periodisch auftretende Winterkälte. Die Wärmetoleranz von Feldahorn und Elsbeere ist noch höher als die der beiden Eichenarten (Abb. 1). Selbst von der Hainbuche weiß man, dass sie unter sehr warmen Bedingungen gedeihen kann. Dagegen tendiert der Bergahorn mehr zu einem mittleren, gemäßigten Klima. Der Anteil der Mischbaumarten aus dem kühl-feuchten Spektrum sollte hinsichtlich des Klimawandels gering bleiben.

Forstwirtschaft bleibt riskant

Obwohl kaum neue, klimawandelbedingte Risiken bei den Eichen erkennbar sind, bedeutet dies kein Nullrisiko für den Anbau dieser Baumarten. Alte bekannte Risiken bleiben bestehen, weitere neue Risiken, die nichts oder nur wenig mit dem Klimawandel zu tun haben, können jederzeit hinzu kommen. Ein solcher Fall ist erst mit dem Eschentriebsterben aufgetreten. Diese Krankheit hat uns wieder bewusst gemacht, dass Forstwirtschaft riskant und die Baumartenwahl schwierig ist. Aus den Anbauerfahrungen wissen wir, was auf keinen Fall oder mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht funktioniert. Den Misserfolg können wir also recht sicher vorhersagen. Es ist jedoch schwer, Garantien für den Erfolg abzugeben. Daher ist es wichtig, das Mischungsprinzip zu verfolgen. Je mehr das Risiko auf verschiedene Arten verteilt ist, desto mehr können sich die Arten gegenseitig in positiver Weise beeinflussen und desto geringer ist der Schaden für den Gesamtbestand, wenn eine Art ausfällt. Es sind dann noch genügend andere Elemente vorhanden, um die Weiterexistenz des Bestands zu sichern.

Eichen haben Zukunft!

Patentrezepte für einen risikoarmen Umgang mit der Eiche gibt es nicht, aber vier Regeln, die zu befolgen sich lohnt:

  • Arbeite mit Eichen nur innerhalb des klimatischen Bereichs, den diese Baumart gewohnt ist.
  • Verwende Eichen immer unter Beteiligung weiterer standörtlich geeigneter Baumarten.
  • Begründe nur auf den günstigeren Standorten Bestände mit führender Eiche.
  • Nutze die Erfahrungen aus Regionen mit Klimabedingungen, die wärmer (und trockener) sind als unsere Anbaugebiete.

Werden diese Regeln befolgt, so sollte es möglich sein, Eichen vielleicht sogar in stärkerem Umfang als bisher zu verwenden. Als bereicherndes Element und als vielfältig nutzbare Baumart helfen sie uns bei der Anpassung an den Klimawandel. Unklug wäre es, panisch zu reagieren und aus Übervorsicht im Baumarten-Portfolio auf die Eichen zu verzichten.

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