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Prof. Dr. Ulrich Kohnle

PD Dr. Ulrich Kohnle

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA)
Abteilungsleiter Waldwachstum

Wonnhalde 4
D-79100 Freiburg i. Breisgau

Tel. +49 761 4018 251
Fax +49 761 4018 333

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Artikel

Autor(en): J. Klädtke
Redaktion: FVA, Deutschland
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Düngungsversuch Fichte

In den 1950er und 60er Jahren wurden von der damaligen Württembergischen Forstlichen Versuchsanstalt eine Reihe von Düngeversuchen mit Schwerpunkten im Nordschwarzwald und in Oberschwaben angelegt, mit denen die Möglichkeit einer Zuwachssteigerung von Beständen auf Stickstoffmangelstandorten erprobt werden sollte. Auch wenn Düngungen heute vor allem der Melioration von Waldböden und weniger der Steigerung der Volumenproduktion dienen, lassen sich aus diesen alten Versuchen doch wertvolle waldwachstumskundliche Erkenntnisse gewinnen.

Eine der bekanntesten, weil am besten untersuchten Anlagen dieser Reihe stellt der Versuch Fi 337 im Forstamt Pfalzgrafenweiler im Nordschwarzwald dar, zu dem zahlreiche Publikationen erschienen sind. In enger Zusammenarbeit mit der Abteilung Bodenkunde der FVA Baden-Württemberg wurde dieser Versuch einer erneuten Auswertung unterzogen.

Standort und Bestand - Düngungsvarianten

Ausbringen von Dünger
Ausbringen von Dünger im Bestand.

Bei der Versuchsanlage handelt es sich um einen zu Beginn des Versuches (1952) 67 Jahre alten Fichtenbestand (dGz100= 9-10,6 Vfm) auf einer mäßig frischen, schwach podsolierten Braunerde bzw. Podsolbraunerde (Höhe ü. NN: 610 m, jährliche Niederschläge 950 mm, Jahresdurchschnittstemperatur: 7,0 °C). Tab. 1 gibt einen Überblick über die applizierten Düngemittel und –mengen.

Waldwachstumskundliche Untersuchungen - Datenmaterial

Die Untersuchungen stützen sich zum einen auf die Daten der periodischen Versuchsflächenaufnahmen seit 1952 und zum andern auf Jahrring- und Höhenanalysen. Hierzu wurden in den Jahren 1994 und 1997 an jeweils etwa 10 Bäumen pro Feld Stammscheiben in 1,3 m, 11,5 und 21,7 m Höhe entnommen und die Trieblängen von der Spitze der Bäume bis hinunter auf etwa 21,7 m gemessen. Von Feld 1, das aufgrund von Bonitätsunterschieden zunächst aus der Auswertung herausgelassen werden sollte, standen Jahrringanalysen von nur 5 sowie Höhenanalysen von nur 4 Bäumen zur Verfügung. Entsprechend größer ist die Streuung dieser Werte, so dass die Aussagekraft der dieses Feld betreffenden Ergebnisse einer gewissen Einschränkung unterworfen ist.

Die nicht gedüngten Parzellen 3a und 3b wurden zum Nullfeld 3 zusammengefasst. Die Details der Auswertungsmethodik können dem Originalbeitrag (s. PDF-Datei im Anhang) entnommen werden.

Zusammenfassung - Ergebnisse

Die im Wesentlichen auf Jahrring- und Höhenanalysen beruhende Auswertung eines über 40 Jahren laufenden Düngungsversuches ergab deutliche Zuwachsreaktionen in Abhängigkeit der verabreichten Düngergaben. Das mit Stickstoff, Calcium und Phosphat gedüngte Feld weist eine Mehrleistung an Volumen von 18% auf. Es folgt die Stickstoff-Calcium-Düngung (+17%), die reine Stickstoffdüngung (+10%), eine Calciumdüngungsvariante mit späterer Stickstoff-Nachdün­gung (+7%) und schließlich die Phosphor-Calcium-Düngung (+4%).

Übersicht Düngergaben
Abb.1: Übersicht über Zeitpunkt, Zusammensetzung und Menge der Düngergaben (t/ha).

Ein erhebliches Problem bei der Auswertung war, dass die einzelnen Felder in den 1960er Jahren z.T. mit Tanne vorgebaut und unterschiedlich behandelt worden waren. Der Vergleich des Radialzuwachses in verschiedenen Schafthöhen zeigt, dass die beobachteten Zuwachsunterschiede tatsächlich nicht nur auf die Düngung, sondern auch auf Unterschiede in der Bestandesbehandlung zurückzuführen sind. Trotzdem kann kein Zweifel darüber bestehen, dass das ursprüngliche Ziel, die langfristige Ertragssteigerung von Fichtenbeständen auf Standorten mit mangelnder Stickstoffversorgung erreicht wurde.

Aus heutiger Sicht sind diese Ertragssteigerungen aufgrund veränderter Prämissen anders zu bewerten, da infolge der geringen Nachfrage nach Industrie- und Schwachholz die Gesamtwuchsleistung marktbedingt stark an Bedeutung verloren hat. Für eine aktuelle Beurteilung ist die Wertleistung das entscheidende Kriterium und der Vergleich mit modernen Behandlungsstrategien.

Durch die Verwendung von Z-Baum-Normen ließ sich die Durchmesser- und Wertentwicklung, die durch eine moderne Bestandesbehandlung erreichbar gewesen wäre, abschätzen und mit der tatsächlichen Entwicklung der 200 stärksten Bäume der Felder vergleichen. Danach ergibt sich, dass der Durchmesser der 200 dicksten Bäume um 15-20 cm unter dem waldbaulich Möglichen liegt und dass nach heutigen Bewertungsmassstäben eine Auslesedurchforstung eine wesentlich höhere Wertsteigerung ermöglicht als eine Düngung (Abb.8). So beträgt der Wertunterschied des Kollektivs der 200 stärksten Bäume zwischen dem ungedüngten Feld und dem Feld mit dem höchsten düngebedingten Mehrzuwachs ca. 7000 €/ha. Eine Auslesedurchforstung hätte dagegen einen Mehrertrag von bis zu 26000 € pro ha erbracht (Abb. 9). Selbst wenn man das gesamte bisher produzierte Bestandesvolumen (die Gesamtwuchsleistung) in die Wertberechnung der Düngefelder mit einbezieht, liegt dieser Betrag immer noch um 15-20% unter der möglichen Wertleistung von 200 Z-Bäumen.

Der Versuch zeigt nicht zuletzt, dass bei homogenen Bestandesstrukturen die Bestandesbehandlung einen bedeutenden Einfluss auch auf die Entwicklung der vorherrschenden Bäume hat und Durchforstungen daher nicht ohne negative Folgen für Wertentwicklung und Risiko aufgeschoben werden können. Bei der Anlage des Versuchs im Alter von 67 Jahren und einer Oberhöhe von etwa 25 m lag der h/d-Wert der 200 dicksten Bäume der Felder zwischen 92 und 98, was eine extreme Labilität während des bisherigen Bestandeslebens bedeutet. Aus Gründen der Produktionssicherheit und der Wertentwicklung sehen die Z-Baum-Normen für diese Oberhöhe einen h/d-Wert von 65 vor. Wie durch entsprechende Auslesedurchforstungsversuche belegt ist, ist dies auch ohne weiteres zu erreichen.

Nach dieser Untersuchung wird auch offensichtlich, dass auch die Entwicklung der Oberhöhenbäume ganz entscheidend von der Behandlung abhängt, vor allem in homogenen Beständen, in denen es nicht bereits frühzeitig zu einer stärkeren Differenzierung infolge Pflanzausfälle, Frost, Käfer, Schneebruch etc. gekommen ist.

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  • Der ausführliche Gesamtbeitrag kann als PDF-Datei (602 KB) heruntergeladen werden.