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Dr. Hans-Joachim Klemmt

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Boden und Klima
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D-85354 Freising

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Artikel

Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Die Elsbeere – ein heimischer Exot

Karte der Tiefenprofiltypen
Abb. 1: Die für die Elsbeere günstigen Böden mit hoher Basensättigung (Typ 1 und 2) haben in Bayern einen Anteil von etwa der Hälfte. Die regionale Verteilung dieser Böden ist charakteristisch.

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Das Verbreitungsgebiet der Elsbeere (Sorbus torminalis) ist nicht sehr ausgedehnt. Der Schwerpunkt erstreckt sich vom südlichen Mitteleuropa bis zum nördlichen Südeuropa (Abb. 0). In Deutschland gelangt sie in den Mittelgebirgen und im Norden bereits an ihre Kältegrenze. Aufgrund ihrer Seltenheit kann man sie als "heimischen Exoten" bezeichnen, wie beispielsweise auch den Speierling (Sorbus domestica). Beiden Arten sind die Toleranz gegenüber einem warm-trockenen Klima und gleichzeitig eine gute Anpassung an periodisch auftretende Winterkälte gemeinsam. Die Schwerpunkte des Elsbeeren-Vorkommens liegen in Bayern im unterfränkischen Muschelkalkgebiet und auf karbonatischen Standorten des Keupers sowie im weißen Jura. Südlich der Donau besiedelt sie nur wenige Standorte, vor allem in den wärmeren Regionen des Alpenvorlandes.

Boden: extrem aber basisch

Die natürliche Verbreitung der Elsbeere zeigt deutlich, dass sie extreme Standorte bevorzugt. Dazu zählen Humuskarbonatböden (Rendzinen) oder kalthaltige Tonböden (Pelosole). Auf diesen Standorten mit angespanntem Wasserhaushalt ist die Elsbeere konkurrenzkräftiger gegenüber ihrer Hauptkonkurrentin, der Buche.

Hinsichtlich Luft- und Wasserhaushalt ist die Elsbeere sehr duldsam. Sie ist sowohl auf (sehr) trockenen als auch auf wechseltrockenen Standorten mit kurzer Nassphase im Frühjahr zu finden. Ihre Toleranz gegenüber wechseltrockenen Pelosolen aus strengen Tonen ist ausgeprägter als gegenüber stark wechselfeuchten Pseudogleyen mit ausgedehnter Nassphase.

Die notwendige Voraussetzung für ein gutes Gedeihen ist aber in allen Fällen eine hohe Basensättigung, zumindest im Unterboden. Bevorzugt werden Standorte mit den Tiefenprofiltypen 1 und 2 (Abb. 1), und hier sollte die Elsbeere auch ausschließlich angebaut werden.

 Basensättigung und Tiefenprofiltypen
Basensättigung = die Summe des Anteils der Basenkationen Calcium, Magnesium, Natrium und Kalium im Boden; Verlauf über das Bodenprofil ergibt fünf Tiefenprofiltypen
Tiefenprofiltyp 1 Typ 1

  • hohe Basensättigung von über 80 Prozent im gesamten Profil
  • in den Kalkgebieten Bayerns (Fränkische Platte, Jura, Kalkalpen)
  • nahezu unüberwindlicher Widerstand gegen Bodenversauerung
  • Versorgung mit Spurenelemeten (Kalium, Phosphor) kann problematisch werden
Tiefenprofiltyp 2 Typ 2

  • häufig mit Typ 1 vergesellschaftet
  • Spurenelementmängel treten seltener auf als bei Typ 1
  • leichte Versauerung im Oberboden häufig durch Überdeckung der Kalksubstrate mit einer lehmigen Deckschicht
Tiefenprofiltyp 3 Typ 3

  • 100 Prozent Basensättigung werden auch im Unterboden nicht mehr erreicht
  • basenreicher Unterboden unter einer mächtigen versauerten Decke
  • alte und tiefwurzelnde Bäume können Basenvorräte des Unterbodens nutzen
Tiefenprofiltyp 4 Typ 4

  • tief reichende Bodenversauerung
  • Basen gelangen über Streufall auf die Bodenoberfläche und werden Teil des Auflagehumus ("Basenpumpe")
Tiefenprofiltyp 5 Typ 5

  • basenärmster Typ; auf acht Prozent der Waldfläche Bayerns
  • in Silikatgebieten wie Spessart, Rhön, Odenwald und ostbayerische Grenzgebirge

Klima: warm, warm und warm

Klimahülle der Elsbeere
Abb. 2: Klimahüller der Elsbeere nach Kölling (2007). In Bayern werden sich die Bedingungen für die Elsbeere mit dem Klimawandel verbessern.

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Elsbeere in Sailershausen
Abb. 3: Auf nicht so extremen Standorten wie hier im Universitätswald Sailershausen wächst die Elsbeere zu Bäumen erster Ordnung heran (Foto: H. Stark).

Die Elsbeere ist eine wärmeliebende Baumart, die ihren Verbreitungsschwerpunkt in einem Klima hat, das noch wärmer ist als das gegenwärtig in Bayern herrschende (Abb. 2). Die Klimahülle zeigt aber auch, dass sich die für die Elsbeere günstigen Regionen in Bayern aufgrund des Klimawandels ausdehnen werden.

Obwohl die natürlichen Vorkommen der Elsbeere sich auf Sonderstandorte konzentrieren, muss sich der Anbau nicht auf diese Extremstandorte beschränken. Auf mittleren Standorten leistet die Baumart weit mehr, als man ihr im Allgemeinen zutraut. Sie kann auf besser wasserversorgten Standorten Höhen bis 30 Meter und beachtliche Dimensionen erreichen (Abb. 3). Als Faustformel für den Elsbeeren-Anbau kann gelten: Jahrestemperaturen über 7,5 °C und ein Boden, der genügend Basen bereitstellt.

Konkurrenz: nicht erwünscht

Je extremer die Standortverhältnisse sind, desto weniger waldbauliche Konkurrenzregelung benötigt die Elsbeere, desto geringer sind aber auch die Wuchsleistungen. Umgekehrt braucht sie auf mittleren Standorten eine nachhaltige Unterstützung gegen Baumarten mit höherer Wuchsleistung. Wie bei jeder anderen Baumart ist für ein optimales Wachstum immer eine gut ausgebildete Krone erforderlich.

Mehr Elsbeere!

Die Elsbeere führt derzeit ein Nischendasein, ihr Anbau wird vielfach für Liebhaberei gehalten. Diese Einschätzung geht aber am tatsächlichen Potential dieser Baumart vorbei. Anstatt für warm-trockene Standorte nach fremdländischen Exoten zu suchen, sollte man hier den Blick zunächst auf die Elsbeere oder andere "heimische Exoten" richten. Wo uns der Klimawandel künftig Jahresdurchschnittstemperaturen über 11 °C beschert, sind Baumarten wie die Elsbeere unerlässlich für ein sicheres Baumarten-Portfolio. Weil die Elsbeere nicht dem Forstvermehrungsgutgesetz unterliegt, sollten unbedingt regionale Herkünfte, die sich unter den hiesigen Standortsbedingungen seit Jahrtausenden entwickelt und bewährt haben, bevorzugt werden.

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