Suche

    
Suche nur in dieser Rubrik

Erweiterte Suche

Kontakt

Peter Brang

Forschungsanstalt WSL

Eidg. Forschungsanstalt WSL
Bestandesdynamik und Waldbau
Zürcherstrasse 111
CH - 8903 Birmensdorf

Tel: +41 44 739 24 86
Fax: +41 44 739 22 15

Die waldwissen.net-App!

App Waldwissen

Waldwissen Newsletter

Unser Newsletter informiert Sie vier, fünf Mal jährlich per E-Mail über spezielle Beiträge und Waldwissen-Aktivitäten. Ihre E-Mail-Adresse wird lediglich zum Zweck der Zustellung des Newsletters verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können sich jederzeit aus dem Newsletter heraus abmelden oder Ihre Einwilligung per E-Mail an uns widerrufen. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzhinweise.

Ihr E-Mail*

Artikel

Autor(en): Monika Frehner, Peter Brang, Geri Kaufmann, Christian Küchli
Redaktion: WSL, Schweiz
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 66.6766.6766.6766.6766.67 (11)

Standortkundliche Grundlagen für die Waldbewirtschaftung im Klimawandel

Es wird in der Schweiz wärmer und im Sommer trockener. Wie ändern sich die Waldstandorte infolge des Klima­wandels? Welche Baumarten sind in Zukunft an welchen Standorten zu empfehlen? Zur Beantwortung solcher Fragen hat die Forschungsanstalt WSL eine methodische Grundlage für die waldbauliche Praxis veröffentlicht.

In der Schweiz hat sich die Jahresmitteltemperatur zwischen dem Beginn der Klimamessungen 1864 und 2000 um 1,8 Grad erhöht. Wie stark sich das Klima in Zukunft verändern wird, hängt wesentlich vom globalen Treibhausgasausstoss ab. Weil niemand die Zukunft vorhersagen kann, haben Wissenschaftler mit Computersimulationen von Klimamodellen mögliche Klimaszenarien für die Schweiz beschrieben. Sie zeigen, wie sich unser Klima bis Mitte dieses Jahrhunderts und darüber hinaus verändern kann. Neben Simulationen modernster Klimamodelle flossen Beobachtungen bisheriger Trends in die Szenarien ein und erlauben so den bisher genauesten Blick in die Klimazukunft.

Der prognostizierte Klimawandel wird in jedem Fall auch Auswirkungen auf den Wald haben (Abb. 1). Für Förster ist eine zentrale Frage, wie sich die Waldstandorte infolge des Klima­wandels verändern und welche Baumarten in Zukunft je nach Standort empfohlen werden können. Diesen Fragen gingen Fachleute im Rahmen des Forschungsprogramms Wald und Klimawandel der Forschungsanstalt WSL mittels verschiedenen Projekten nach. Der vorliegende Bericht fasst die Erkenntnisse der beiden Projekte "Adaptierte Ökogramme" und "Waldtests" zusammen.

   
Im Mittelland dürften Fichtenwälder nicht zukunftsfähig sein  
Abb. 1 - Im Mittelland dürften Fichtenwälder an den meisten Standorten nicht zukunftsfähig sein. Welche Baumarten sind hier im Hinblick auf den Klimawandel zu empfehlen?
Foto: Markus Bolliger
 
   

Zwei mögliche Klimazukünfte

Um die Unsicherheit der Klimaentwicklung zu berücksichtigen, wurden zwei "Klimazukünfte" verwendet: eine mit mässigem Klimawandel (Klimamodell RegCM3, Klimaszenario A1B) sowie eine mit stärkerem Klimawandel (Klimamodell CLM, Klimaszenario A1B). Das mässige Modell RegCM3 prognostiziert für die Schweiz bis Ende des Jahrhunderts im Sommerhalbjahr (April bis September) durchschnittlich zwei Prozent weniger Niederschlag und eine Erwärmung um 3,1 Grad Celsius im Vergleich zur Periode 1981–2010. Das stärkere Modell CLM ergibt eine Niederschlagsabnahme um 19% und einen Temperaturanstieg um 4,3 Grad Celsius. Welche "Klimazukunft" der tatsächlichen Klimaentwicklung näher kommt, ist ungewiss.

In Meereshöhe umgemünzt entspricht die erwartete Erwärmung von 3,1 bis 4,3 °C einer Verschiebung der Vegetationshöhenstufen um etwa 500 bis 700 Höhenmeter. Dies wird sich erheblich auf die heute noch standortgerechten Baumarten und die Waldleistungen auswirken, aber je nach Standortbedingungen in unterschiedlichem Mass. Zudem werden die effektiven Veränderungen im Wald gegenüber den klimatischen Entwicklungen verzögert sein, denn Bäume können auch unter ungünstiger werdenden Bedingungen noch längere Zeit überleben.

Adaptierte Ökogramme

Ein verbreitetes Instrument für die Beurteilung von Waldstandorten ist das Ökogramm (Abb. 2). Dieses beschreibt Standortstypen (Waldgesellschaften) entsprechend ihrer Wasserversorgung auf einer Feuchtigkeitsachse und ihres Nährstoffhaushalts auf einer Basen-(Nährstoff-)achse. Die Temperatur wird dadurch berücksichtigt, dass für die verschiedenen Vegetationshöhenstufen von collin bis subalpin (Abb. 3) je eigene Ökogramme verwendet werden. Die Ökogramme unterscheiden sich auch je nach Standortsregionen.

   
Ökogramm mit Standortstypen für die untermontane Stufe der Region Jura  
Abb. 2 - Ökogramm mit Standortstypen für die untermontane Stufe der Region Jura gemäss der Wegleitung NaiS. Anklicken zum Vergrössern.
 
   
Vegetationshöhenstufen in den Standortsregionen gemäss der Wegleitung NaiS  
Abb. 3 - Vegetationshöhenstufen in den Standortsregionen gemäss der Wegleitung NaiS. Legende: J = Jura, M = Mittelland, 1 = Nördliche Randalpen, 2a = Nördliche Zwischenalpen mit Buche, 2b = Nördliche Zwischenalpen ohne Buche, 3 = Kontinentale Hochalpen, 4 = Südliche Zwischenalpen, 5a = Südliche Randalpen mit Fichte/mit Fichtenvorposten, 5b = Südliche Randalpen ohne Fichte. Anmerkung: In Regionen 2b, 3 und 4 keine Buchenvorkommen. Anklicken zum Vergrössern.  
   

Die Grundidee war, die heutige Gliederung der Standortstypen in der Schweiz um die Dimension Klimawandel zu erweitern, sodass die bestehenden standortkundlichen Grundlagen auch in Zukunft nutzbar bleiben. Dazu wurden die Vegetationshöhenstufen unter heutigem sowie unter künftigem Klima im Schweizer Wald modelliert. Daraus und aus der Kenntnis des heutigen Standortstyps lässt sich nun an jedem Punkt des Schweizer Waldes ableiten, welcher Standortstyp am Ende des 21. Jahrhunderts zu erwarten ist. Diese Herleitung des Standortstyps unter Klimaänderung mit Hilfe der adaptierten Ökogramme erlaubt Rückschlüsse auf die künftig passenden Baumarten.

Waldtests

Die Resultate und Empfehlungen aus den klimatisch adaptierten Ökogrammen sind anschliessend in sogenannten "Waldtests", einem breit angelegten partizipativen Prozess, weiterentwickelt und konsolidiert worden. Die Waldtests bestanden aus einem theoretischen und einem Praxisteil. Im Theorieblock erfuhren die Teilnehmenden wichtige Ergebnisse des Forschungsprogramms "Wald und Klimawandel", im Praxisteil diskutierten sie dann im Wald die zu erwartenden Standortveränderungen, die Konsequenzen für die Baumartenwahl und allfällige Folgen für die waldbaulichen Entscheide (Abb. 4). Dabei zeigte sich, dass Ausmass und Geschwindigkeit der Standortänderung sowie der Anpassungsbedarf je nach Standortstyp und je nach aktueller Bestockung sehr unterschiedlich sind.

   
Fachdiskussion an einem Waldtest  
Abb. 4 - Fachdiskussion im Verjüngungsbestand Sagliot bei Tiefencastel (GR).
Foto: Barbara Allgaier Leuch (WSL)
 
   

Informationen zur konkreten Umsetzung und Praxisbeispiele finden Sie im ausführlichen Bericht (PDF). 

Download

Kontakt

  • Forstingenieurbüro
    Monika Frehner
    Sixerstrasse 9
    CH-7320 Sargans
    Tel. +41 81 723 9727
    E-Mail: monika.frehner [at] bluewin.ch

Mehr im Web

Mehr auf waldwissen.net