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Dr. Hans-Joachim Klemmt

LWF

Bayerische Landesanstalt
für Wald und Forstwirtschaft

Abt. Boden und Klima
Hans-Carl-von-Carlowitz-Pl. 1
D-85354 Freising

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Artikel

Autor(en): Herbert Borchert, Christian Kölling
Redaktion: LWF, Deutschland
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Wachsen Palmen bald am Chiemsee?

Welche waldbaulichen Konsequenzen werden derzeit diskutiert?

Regionale natürliche Waldzusammensetzung Bayern
Abb. 1: Regionale natürliche Waldzusammensetzung Bayerns.

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Im Mittelpunkt der Diskussionen über waldbauliche Konsequenzen steht die Frage, ob bei der Verjüngung von Wäldern bereits heute in der Baumartenwahl die Auswirkungen der Klimaänderung berücksichtigt werden sollen. Bleiben Klimaänderungen in der waldbaulichen Planung unberücksichtigt, könnten bald in manchen Waldgebieten auf großer Fläche unangepasste Bestände stehen [1]. Geht man dagegen vom schlimmsten Fall, deutlich höheren Temperaturen und geringeren Niederschlägen aus, und das Klima entwickelt sich mit höheren Niederschlägen günstiger als angenommen, dann würden sich überzogene Umbaubemühungen mit trockenheitsresistenten Baumarten als Fehlinvestitionen erweisen. Mit der hier vorgestellten Literaturstudie soll der Stand der gegenwärtigen Forschung wiedergegeben werden.

Die Entscheidung eines Waldbesitzers für die eine oder andere Baumart hängt selbstverständlich von seinen Zielen ab. Hier wird angenommen, dass neben dem grundlegenden Ziel, den Wald zu erhalten, auch das betriebliche Ziel besteht, aus dem Wald ein möglichst sicheres Einkommen zu erwirtschaften.

In der Literatur werden zwei Wege der Baumartenwahl unterschieden. Die eher traditionelle Methode der Förster/innen orientiert sich an der standortsbezogenen Anbaueignung der Baumarten, die infolge der Klimaänderung nun einem Wandel unterliegen kann. Nach dem zweiten Ansatz wird die natürliche Waldgesellschaft als Anhalt verwendet. "Grundlage dieses Konzepts ist die Annahme, dass naturnahe Ökosysteme stabiler gegenüber Störungseinflüssen sind" [2].

Baumarten der natürlichen Waldgesellschaft auswählen

Ausdruck aller wirkenden Standortskräfte ist die natürliche Waldgesellschaft. Das ist diejenige Waldzusammensetzung, die sich ohne steuernden Einfluss des Menschen allein aufgrund der vorhandenen Kombination von Standortsgrößen einstellt. In der Übersichtskarte "Regionale natürliche Waldzusammensetzung Bayerns" (Abb. 1) ist diese Waldzusammensetzung im regionalen Maßstab für die derzeit wirkenden Standortsgrößen dargestellt. Die natürlichen Waldgesellschaften sind durch Baumartenzusammensetzungen gekennzeichnet, die sich aufgrund der standörtlichen Konkurrenzsituation ergeben würden, wenn forstliche Eingriffe unterblieben. Zur Lebensgemeinschaft der natürlichen Waldgesellschaft gehören aber auch die Bodenpflanzen sowie die Tier- und Mikroorganismen-Gemeinschaften.

Baumarten wählen, die an den Standort angepasst sind

Lindner (1999 a und b) empfiehlt, ökologische Indizes, wie z. B. die Temperatursumme während der Vegetationszeit, als Maß für die Anpassung einer Baumart an bestimmte Klima- und Standortsbedingungen zu verwenden. "Mit solchen Indizes lassen sich Wachstumsbedingungen eingrenzen, unter denen eine Baumart förderungswürdig ist" [3]. So lautet auch die Empfehlung von Felbermeier [4], "die klimatische Belastbarkeit von Baumarten aus dem gegenwärtigen Zusammenspiel von Wald und Klima abzuleiten." Kennen wir aus Klimaprognosen z. B. die erwartete künftige Temperatursumme für ein Gebiet, können wir anhand der Indizes die geeigneten Baumarten auswählen. Dabei darf aber die Bedeutung der jeweiligen Bodenverhältnisse (Wasserspeicherkapazität und Anschluss an das Grundwasser) nicht vernachlässigt werden. Untersuchungen haben gezeigt, dass Veränderungen in der Wasserverfügbarkeit grundsätzlich bedeutsamer sind als Temperaturänderungen. "Die Wasserverfügbarkeit scheint ein Schlüssel-Umweltfaktor bei der Vorhersage darüber zu sein, wie sich die Waldstruktur und Artenzusammensetzung an die künftige Klimaänderung anpassen wird" [5,6]. Der Wasserhaushalt von Waldbäumen ergibt sich nicht allein aus den fallenden Niederschlägen, sondern er resultiert aus dem komplizierten Wechselspiel von Niederschlag, Bodenspeicherung und Verdunstung. So bedeutet mehr Niederschlag nicht zwangsläufig einen verbesserten Wasserhaushalt, wenn dieser Niederschlag nicht gespeichert wird oder wenn sich der Verdunstungsanspruch der Atmosphäre gegenläufig ändert. Aufgrund der höheren Temperaturen wird die Transpiration der Wälder auf jeden Fall steigen. Nur wenn die Niederschläge soweit zunehmen, dass die höhere Verdunstung ausgeglichen wird, und nur, wenn diese zusätzlichen Niederschläge auch im Boden gespeichert werden können, wird die Wasserversorgung nicht verschlechtert [7]. Außerdem ist es notwendig, die saisonale Verteilung der Niederschläge zu kennen, um die Auswirkungen auf das Ökosystem vorherzusagen. "Weil unter den geänderten Klimabedingungen ein großer Teil des im Boden verfügbaren Wassers bereits im Winter und Frühjahr verdunstet ist, wird die Verdunstung der Bäume von Juli bis September durch den Bodenwassergehalt viel stärker begrenzt", so die Ergebnisse einer Studie von Herbst und Hössmann (1998) an einem 100-jährigen Buchenbestand in Norddeutschland. Daher ist es wohl zweckmäßig, wie von Heining 1996 skizziert, die Anbaueignung der Baumarten unter geänderten klimatischen Bedingungen sehr differenziert standortspezifisch einzuschätzen. 

Buchenland Bayern heute

Nach den gegenwärtig herrschenden Standortbedingungen wäre Bayern heute ein Buchenland. Keine andere Baumart kann sich unter diesen Voraussetzungen so effektiv behaupten wie die Buche:

Zum einen sind in Bayern Klima und Böden ausgesprochen buchenfreundlich, zum anderen besitzt die Buche mit ihrer Kombination aus Schattenwurf und Schattentoleranz die größte Behauptungskraft unter den einheimischen Baumarten.

Zwei der bestimmenden Standortsgrößen für die Vorherrschaft von Buchenwäldern sind im sogenannten "Ellenberg-Diagramm" dargestellt. Die zwei Dimensionen dieses Diagramms, ökologische Feuchtestufe des Bodens und vorherrschende Bodenreaktion, sind zwei wesentliche Achsen im mehrdimensionalen Standortsraum. Weitere Achsen wären die Kontinentalität des Klimas oder die Länge der Vegetationsperiode. Unsere grafischen Möglichkeiten versagen allerdings bei der Darstellung von mehr als dreidimensionalen Standortsräumen. Das Prinzip ist aber das gleiche:

Der mehrdimensionale Standortsraum wird durch mehrere Achsen definiert. Im "Ellenberg-Diagramm" wie auch im gedachten mehrdimensionalen Standortsraum ist das Zentrum von Buchenwaldgesellschaften ausgefüllt, deren ökologische Amplitude zwischen den Grenzlinien aufgespannt ist (Abb. 3).

Die vielen anderen Waldgesellschaften finden sich ausschließlich an den Rändern des Standortsraums. Buchenwälder sind durch mittlere Standortsverhältnisse gekennzeichnet, andere Waldgesellschaften nehmen die mehr oder weniger extremen Randbereiche ein. Dies sind z. B. Standorte mit besonderem Bodenwasserhaushalt (zu trocken, zu nass) und Standorte mit zu kurzer Vegetationsperiode (im Gebirge).

Dieser Methode, die Anbaueignung unter geänderten Klimaverhältnissen als Kriterium der Baumartenwahl zu verwenden, kann entgegengehalten werden, dass sie die Konkurrenzverhältnisse zwischen den Arten ignoriert. Allerdings lassen sich die Konkurrenzverhältnisse durch die steuernde Hand der Förster/innen regulieren. "Die Klimaplastizität der Baumarten lässt sich (...) erhöhen, wenn durch menschliche Hilfestellungen die für die natürliche Arterhaltung kritische Verjüngungs- und Jugendphase überbrückt wird" [8]. "Ist die ökophysiologische Eignung von einzelnen Arten für einen bestimmten Standort geklärt, können unter dem Gesichtspunkt der Soziabilität waldbaulich sinnvolle Mischungstypen zusammengestellt werden", so Steiner und Lexer (1998) mit Verweis auf Schütz (1994). Das heißt, durch flächige Mischungen können auch im Wettbewerb schwache Arten erhalten werden. Dies setzt aber eine Bestandbegründung durch Pflanzung oder Mischungsregulierungen im Fall von Naturverjüngung voraus. Sofern die Förster/innen finanziell aus dem Vollen schöpfen können, mag dies kein Problem darstellen. Nach den Zielen einer naturnahen Forstwirtschaft sollen jedoch alle Möglichkeiten der biologischen Automation ausgenutzt und teure steuernde Eingriffe minimiert werden. Problematisch an diesem Ansatz erscheint zudem, dass die Baumarten als homogene Einheiten betrachtet werden. Tatsächlich haben wir es mit unterschiedlichen Rassen, Herkünften oder Ökotypen zu tun, die sicher nicht einheitliche physiologische Grenzen haben. So kann z. B. "angenommen werden, dass bei der Buche Regelmechanismen zur Anpassung an Trockenstress bestehen, die in verschiedenen Ökotypen unterschiedlich stark ausgeprägt sind" [9]. Was nutzt die Feststellung, dass die Buche in Griechenland bei weitaus höheren Temperaturen als in Bayern existiert [10], wenn Herkünfte von dort sich beim Anbau in Bayern womöglich nur durch Krüppelwuchs auszeichnen würden?

Wie werden sich die natürlichen Waldgesellschaften verändern?

Um die Auswirkungen einer Klimaänderung auf die natürliche Zusammensetzung der Waldgesellschaften abzuschätzen, werden zwei Wege beschritten [11]: Zum einen werden die ökologischen Faktoren wie Temperatur und Niederschlagsmenge ermittelt, welche heute die Arealgrenzen der verschiedenen Vegetationsgesellschaften bestimmen. Auf Klimamodelle gestützt werden für ein Untersuchungsgebiet Szenarien des Klimawandels formuliert, d.h. bestimmte Konstellationen "veränderter" ökologischer Faktoren angenommen. Sodann werden die Pflanzengesellschaften ermittelt, die sich in die neuen Rahmenbedingungen einfügen lassen. Auf diesem Weg wird die "neue" potentielle natürliche Vegetation bestimmt.

Buchenland Bayern morgen?

In Bayern werden sich die durch den Klimawandel induzierten Standortsveränderungen nur an den Rändern des Standortsraums der Buchenwaldgesellschaften deutlich bemerkbar machen. Die im Zentrum befindlichen Buchenwaldgesellschaften sind ziemlich robust gegenüber den Veränderungen einzelner oder mehrerer Standortsgrößen, solange sie diese Veränderungen nicht außerhalb des derzeitigen Herrschaftsbereichs von Buchenwaldgesellschaften führen. Erst wenn die Grenze dieses Bereichs überschritten wird, ist mit gravierenden Veränderungen im Gefüge der Waldgesellschaften zu rechnen: so können Standorte, die derzeit noch nicht befähigt sind, Buchenwaldgesellschaften zu tragen, buchenfähig werden. Umgekehrt können andere Standorte auch die Eigenschaft verlieren, Buchenwälder zu tragen.

Ellenberg-Diagramm Baumarten
Abb. 2: "Ellenberg"-Diagramm für Baumarten.

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Ellenberg-Diagramm Waldgesellschaften
Abb. 3: "Ellenberg"-Diagramm für die Waldgesellschaften in Bayern.

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In den bayerischen Gebirgen werden nach einer Klimaerwärmung Buchenwaldgesellschaften die heutige Höhengrenze der Buchenwälder überschreiten. Diese wird vor allem von der Länge der Vegetationsperiode bestimmt. Die teilweise bedeutsamen Flächengewinne gehen zu Lasten der sich oberhalb anschließenden natürlichen Fichtenwälder. An der Trockengrenze der Buchenwälder, die auf Tonböden in sommerwarmer Klimalage (Beckenlagen) erreicht wird, dürfte es hingegen zu geringfügigen Flächenverlusten kommen. Buchenwälder verlieren hier zugunsten von Eichen-Hainbuchenwäldern und Eichen-Trockenwäldern an Terrain. Der Grundcharakter des Buchenlandes Bayern dürfte aber auch bei deutlichen Klimaänderungen durch diese Flächenverschiebungen kaum gefährdet werden. Der größte Teil der Waldfläche Bayerns liegt dem von Buchenwäldern dominierten Zentrum des Standortsraums sehr nah und ist dadurch vor gravierenden Veränderungen in der natürlichen Waldzusammensetzung sicher. Hier werden mit und ohne Klimaänderung Buchenwälder vorherrschen, wenn auch mit möglicherweise leicht abgewandelter Mischbaumartengarnitur.

Waldsukzessions-Modelle

Der zweite Ansatz, mit dem die Veränderung der natürlichen Waldgesellschaften abgeschätzt werden kann, verwendet Computer-Modelle, die Wachstum, Zerfall und Regeneration der Pflanzen auf Kleinflächen simulieren, wobei diese Prozesse artspezifisch von den ökologischen Faktoren gesteuert werden. Wenn geänderte Umweltfaktoren in das Modell eingesteuert werden, verschiebt sich die Artenzusammensetzung entsprechend. Hält man die geänderten Umweltbedingungen konstant und simuliert viele Regenerationszyklen, kann sich eine stabile Vegetationsgesellschaft etablieren, die wiederum als "neue" potentielle natürliche Vegetation betrachtet werden kann. Diese Modelle werden als Waldsukzessions-Modelle bezeichnet [12,13].

Kritik an den Verfahren

Gegen die Methode, die Waldgesellschaften räumlich so zu verschieben, dass sie sich in den neuen Standortsraum einfügen, richtet sich folgende Kritik:

1. Die Konkurrenzverhältnisse zwischen den Baumarten können sich im Zuge des Klimawandels ändern [14]. Daher können unter veränderten Umweltbedingungen auch Baumartengesellschaften entstehen, die in der pflanzensoziologischen Nomenklatur heute unbekannt sind [15]. Auch aus der Vergangenheit sind Vegetationsgesellschaften bekannt, für die es heute keine Entsprechung gibt [16]. Außerdem sind die natürlichen Waldgesellschaften in Mitteleuropa das Ergebnis der individuellen Reaktion der Baumarten auf die Umweltverhältnisse im Holozän und die artspezifische Einwanderungsgeschichte, weshalb ein einfaches Verschieben der hochaggregierten Variable "potentielle natürliche Vegetation" entlang von Temperatur- oder Niederschlagsgradienten kaum geeignet ist, die Folgen der Klimaänderung abzuschätzen [17].

2. Solange nicht wieder stabile Klimaverhältnisse einkehren, hat es wenig Sinn, eine "neue" potentielle natürliche Vegetation zu bestimmen. Tatsächlich deutet derzeit nichts darauf hin, dass der Klimawandel in absehbarer Zeit zum Stillstand kommen könnte [18]. Unsere Kenntnisse über das Wachstum der Wälder beruhen auf der Annahme, dass die klimatischen Verhältnisse konstant sind. "Durch große klimatische Veränderungen im Laufe eines Baumlebens wird (...) ein neuer Erfahrungsbereich betreten, in dem die bisherigen Erkenntnisse über das Verhalten des Waldes nicht empirisch überprüft sind" [19]. Allerdings besitzen viele natürliche Waldgesellschaften auch eine sehr weite ökologische Amplitude, sodass sie zumindest für einen langen Zeitraum des Klimawandels als die "gültige" potentielle natürliche Vegetation betrachtet werden können.

Dem zweiten Ansatz der Modellierung der Waldsukzession wird folgende Kritik entgegengehalten:

1. "Um auf empirisch-wissenschaftlicher Grundlage Prognosen treffen zu können, müssen Modelle an empirischem Material überprüft werden. Eine solche Überprüfung ist aber für den Fall der erwarteten Klimaänderungen nicht möglich, da derartige Entwicklungen seit Beginn der Klimaaufzeichnungen nicht beobachtet wurden und auch nicht für die Vergangenheit rekonstruiert werden konnten" [20]. Die Entwickler der Waldsukzessions-Modelle versuchen deshalb, ihre Modelle ersatzweise dadurch zu überprüfen, dass sie diese auf Standorte von bestehenden Urwäldern anwenden und testen, ob unter den heutigen Klimabedingungen die Simulation tatsächlich auf die Artenzusammensetzung der Urwälder hinausläuft [21,22]. Die Anwender dieser Modelle räumen jedoch ein, dass ihre Ergebnisse nicht als Vorhersagen interpretiert werden sollten [23].

2. "Diese Modell-Ansätze ignorieren die Tatsache, dass die räumliche Verbreitung einer Art den Einfluss sowohl des Klimas als auch anderer Umweltfaktoren reflektiert, worunter die Konkurrenz mit anderen Baumarten, Bodenmerkmale, Ausbreitungshindernisse und die Verbreitung von Schadinsekten und Pilzkrankheiten gehören" [24]. Werden die Arealgrenzen der Arten allein dem Klimaeinfluss zugeschrieben, müssen diese Modelle die Rolle des Klimas überschätzen.

Waldsukzessions-Modell Klimawandel
Abb. 4: Ein Beispiel dafür, wie die Auswirkungen des Klimawandels anhand von Waldsukzessions-Modellen bestimmt werden (Quelle: Lexer et al. 2002, S. 59, übersetzt).

Natürliche Waldgesellschaft und Wirtschaftswald

Es stellt sich nun die Frage, wie eng wir uns bei der Baumartenwahl an die natürliche Waldgesellschaft anlehnen sollen. Schließlich zeigt sie uns lediglich den Rahmen, in dem sich eine Baumart im natürlichen Wettbewerb behaupten kann. Tatsächlich wachsen viele Baumarten in Mitteleuropa außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes und zeigen dort, wie z. B. die Fichte, sogar eine größere Produktivität als innerhalb ihres natürlichen Areals. Sicher sollte bei der Baumartenwahl die natürliche Waldzusammensetzung nicht zum Dogma erhoben werden, sondern es sind in vielen Fällen ökonomische und ökologische Modifikationen dieses Modells möglich und geboten. Es gilt aber zu bedenken, dass alle forstlich bedingten Abwandlungen der natürlichen Waldgesellschaften selbst bei unverändertem Klima langfristig nur über forstliche Maßnahmen zu erhalten sind. So würde die Fichte ziemlich bald aus dem Flachland verschwinden, wenn diese Baumart nicht durch z. B. Waldschutzbemühungen andauernd forstlich unterstützt würde, wie uns Beobachtungen in den Naturwaldreservaten gezeigt haben. Bei veränderten Standortsbedingungen wird sich die Intensität erhöhen, mit der man künftig die Existenz dieser gesellschaftsfremden Arten sichern muss. Die Waldbesitzer stecken hier in einem Dilemma. Gäbe es kein Risiko, wären die Ertragsaussichten bei der Wahl von gesellschaftsfremden Arten, wie z. B. der Fichte in weiten Teilen des Flachlands, auf jeden Fall höher. Tatsächlich ist die Entscheidung für solche Arten mit einem sehr viel größeren Risiko verbunden als die Wahl von Arten der natürlichen Waldgesellschaft, zumindest müssen für gesellschaftsfremde Arten künftig noch höhere Aufwendungen geleistet werden, um das Risiko eines vorzeitigen Ausfalls zu begrenzen. Dagegen sind leichte Abwandlungen von der natürlichen Waldgesellschaft ohne größere Gefahren möglich.

Auf die Mischung kommt es an

Schließlich sind natürliche Buchenwaldgesellschaften häufig mischbaumartenarm, weil die Buche kaum Mitbewerber duldet. Aus wirtschaftlichen Gründen wird sich deshalb anbieten, die natürliche Baumartengarnitur von Buchenwaldgesellschaften mit Mischbaumarten anzureichern. Häufig erhöht man dabei lediglich den Bestockungsanteil der von Natur aus seltenen Mischbaumarten. Dieses Verfahren gewinnt angesichts der bevorstehenden Klimaänderungen an Bedeutung. So kann es geboten sein, an der Trockengrenze der Buchenwaldgesellschaften die Eiche im Vorgriff der natürlichen Entwicklung stärker am Bestandsaufbau zu beteiligen. Mit Eichen angereicherte Mischwälder sind dann für künftige Trockenperioden besser gerüstet als die natürlicherweise fast reinen Buchenbestände, die zur Zeit noch die natürliche Waldgesellschaft bilden. An der Höhengrenze der Buche im Gebirge würde eine schrittweise Erniedrigung des Fichtenanteils zugunsten der Buche der natürlichen Entwicklung teilweise vorgreifen. Wenn der Baumartenwechsel schrittweise und nur über die Steuerung des natürlichen Mischbaumartenanteils erfolgt, entstehen angepasste, risikoarme Bestockungen. Diese sind sowohl im Hinblick auf die gegenwärtigen, als auch im Hinblick auf kommende Standortsverhältnisse standortsgemäß, wie es das Waldgesetz für Bayern fordert und die ökonomische Vernunft nahe legt. Derartige Bestockungen sind mit einer ganzen Bandbreite möglicher Standortsveränderungen verträglich, sie würden sogar mit einem ausbleibenden oder stark verzögerten Klimawandel verträglich sein. Sind die fraglichen Baumarten bereits im Bestand vorhanden, so kann die Umrüstung der Bestände auf die künftigen Standortsverhältnisse bereits jetzt Zug um Zug durch steuernde Pflegeeingriffe eingeleitet werden. Dabei sollten lange Zeiträume der natürlichen Verjüngung angestrebt werden. Bei langen Verjüngungszeiträumen können viele Individuen fruktifizieren und ihre genetische Information weitergeben [25]. Eine große genetische Vielfalt erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass genügend Individuen vorhanden sind, die den Wechsel der Umweltbedingungen vertragen.

Sollen Gastbaumarten, wie z. B. die Douglasie, oder die Fichte, beteiligt werden, muss die Anbaueignung der jeweiligen Baumart bzw. Herkunft beurteilt werden. Die Douglasie erscheint im Hinblick auf die Klimaänderung weniger problematisch als die Fichte, vor allem wenn es sich um Herkünfte aus südlicheren, sommertrockenen Gebieten ihres Areals in Nordamerika handelt [26]. Zu Problemen kann es bei der Baumart Fichte außerhalb ihres natürlichen Areals vor allem in den Gebieten kommen, in denen sie schon gegenwärtig an der Grenze ihrer Wachstumsmöglichkeiten steht [27]. Ein in Bayern problematisches Gebiet könnte z.B. das Oberpfälzer Becken- und Hügelland sein. Für die westliche Oberpfalz wird ein besonders starker Anstieg der Sommertemperaturen erwartet [28]. Gerade hier vollzieht sich gegenwärtig ein Baumartenwechsel von der Kiefer zur Fichte, worauf Auswertungen von betrieblichen Inventurdaten für den Staatswald hindeuten. Offenbar haben sich dort während der vergangenen Jahrzehnte die Konkurrenzverhältnisse zwischen beiden Arten zugunsten der Fichte verändert. Dennoch sollten die Waldbesitzer dort nicht vorrangig auf die Fichte setzen. Möglicherweise werden sich die Konkurrenzverhältnisse schon bald wieder verändern. Hier sollten andere Baumarten, wie z. B. die Eiche oder Buche, gefördert oder, wenn sie nicht vorhanden sind, durch Voranbau in die Wälder eingebracht werden.

Behutsames Vorgehen

Mag der Klimawandel auch schneller als erwartet eintreffen, so zwingt uns bei der Baumartenwahl nichts zu überstürztem Vorgehen. Abgesehen davon, dass sich im Kern des Buchenwaldgebiets die natürliche Waldzusammensetzung kaum ändert, sind unsere bewirtschafteten Wälder nicht schutzlos den Veränderungen ausgeliefert. In bewirtschafteten Wäldern lassen sich veränderte Konkurrenzbeziehungen zwischen den Baumarten im Zuge der Durchforstung leicht ausgleichen. Ebenso kann man auf veränderte Beziehungen zwischen Wirt und Schadorganismen mit Forstschutzmaßnahmen reagieren. Auf diese Weise lässt sich der Klimawandel durch behutsames und langsames Vorgehen forstlich begleiten. Dies gelingt mit geringerem Aufwand, wenn es sich um standortsgemäße Mischbestände handelt, die sich sowohl an der gegenwärtigen, als auch an der vermuteten zukünftigen natürlichen Waldgesellschaft orientieren. Diese Mischwälder weisen auch die größte Widerstandskraft gegenüber Stürmen auf, deren Häufigkeit und Stärke vermutlich zunehmen wird.

Die skizzierten waldbaulichen Grundelemente der Beachtung der natürlichen Waldgesellschaft, der Begründung und Pflege von Mischbeständen und des langsamen Vorgehens entsprechen ohnehin den Zielen einer naturnahen Forstwirtschaft, wie sie in den Waldbaugrundsätzen für den Bayerischen Staatswald [29] (2002) niedergelegt sind. Den Gefahren der Klimaänderung soll im Staatswald mit Risikominderung begegnet werden, indem die Stabilität der Wälder erhöht und das Risiko gestreut wird. Die Weichen dazu werden heute gestellt. In weiten Bereichen ist der Staatswald auf dem besten Weg. Es stehen dort aber noch genügend Aufgaben an. Wer sich als privater oder kommunaler Waldbesitzer den Zielen einer naturnahen Forstwirtschaft anschließt, kann den Klimaänderungen gelassen entgegen sehen.

Literatur

Anmerkungen zum Text:

[1] Lindner, 1999 a, S. 11
[2] Steiner und Lexer, 1998, S. 93
[3] Lindner, 1999 b
[4] Felbermeier, 1993, S. 165
[5] Reynolds et al. 2001, S. 547 Ziff. 7
[6] vgl. Fabian u. Menzel, 1998, S. 352
[7] Lasch et al., 2002, S. 167
[8] Hofmann, 2002, S.171
[9] Schramml u Rennenberg, 2000, S. 60
[10] Blacek et al. 1996, S. 7
[11] Thomasius, 1991, S.317
[12] Kirschbaum u. Fischlin, 1996, S. 105
[13] vgl. auch Felbermeier, 1993, S. 70
[14] Pretzsch, Dursky, 2002, S. 151
[15] Steiner u. Lexer, 1998, S. 93
[16] Hebda, 1998, S. 195
[17] Steiner u. Lexer, 1998, S. 93
[18] Solomon, 1996, S. 493
[19] Felbermeier, 1993, S. 88
[20] Felbermeier, 1993, S. 165

[21] Badeck et al., 2001
[22] Bugmann, 2001
[23] Kirschbaum u. Fischlin, 1996, S. 105
[24] Loehle u. Leblanc 1996 S. 1
[25] Ebert, 1996
[26] Thomasius, 1991, S. 323
[27] Thomasius, 1991, S. 322;
       Pretzsch u. Dursky, 2002, S.150
[28] Bayer. Klimaforschungsverbund,
       1999, S. V u. 72
[29] Bayer. Staatsforstverwaltung, 2002

Das Literaturverzeichnis kann bei den Verfassern angefordert werden.

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