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Artikel

Autor(en): Neumann, M.
Redaktion: BFW, Österreich
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Nachhaltigkeit – mehr als die Erhaltung des Waldes

Der Nachhaltigkeitsbegriff hat seit der Konferenz von Stockholm 1987 weltweit Karriere gemacht: Nachhaltige Entwicklung ("sustainable development") wurde auf der Konferenz in Rio 1992 als strategisches Prinzip für die weitere Entwicklung unseres Planeten durchgesetzt.

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Worauf gründet sich dieser durchschlagende Erfolg? Der Begriff "Nachhaltigkeit" ist einerseits so unpräzise und vieldeutig, dass er in der politischen Auseinandersetzung je nach Interessenlage und politischer Intention mit verschiedenen Inhalten gefüllt werden kann. Andererseits ist er umgangssprachlich so positiv mit Assoziationen besetzt, dass die unterschiedlichsten Deutungen jeweils mit positivem Bezug vertreten werden können.

Im wissenschaftlichen Umgang mit diesem Begriff ist also eine Präzisierung erforderlich: Was soll nachhaltig nutzbar sein? Auf welcher Fläche und für welchen Zeitraum soll die Nachhaltigkeit gewährleistet werden?

Nachhaltigkeit im Wandel

Wohl als erster hat Platon um 350 v. Chr. die negativen Auswirkungen von exzessiver Waldrodung aufgezeigt. Die großen Rodungen in Mitteleuropa des frühen Mittelalters ermöglichten durch die Vergrößerung der landwirtschaftlichen Nutzfläche die damalige Bevölkerungszunahme. Die Urbarmachung wurde meist von Klöstern betrieben, denen vom Landesherrn große Gebiete übereignet wurden. Der Wald war Brennstofflieferant, unterstützte aber auch direkt (Beeren, Pilze, …) oder indirekt (Eicheln als Viehfutter) die Ernährung. 

Lange Zeit galt der Wald als unerschöpfliche Reserve. Seit dem Hochmittelalter trat aber im Einzugsgebiet von größeren Siedlungen, Bergwerken, Verhüttungsstandorten und Salinen bereits Holzmangel auf. Zur Rohstoffsicherung für diese Betriebe wurden daher zu Beginn der Neuzeit die zuvor gültigen "Weis­tümer" von überregionalen Forstverordnungen abgelöst.

Im 19. Jahrhundert setzten sich schließlich mit Hartig, Cotta, Heyer und Hundeshagen die ersten Forstwissenschaftler mit der Nachhaltigkeit der Forstwirtschaft auseinander und entwickelten erste Instrumente für deren Sicherung (Flächenfachwerk, Normalwaldmodell, etc.).

In jüngerer Vergangenheit erkannte Speidel, dass Nachhaltigkeit als zunächst neutraler Zeitbegriff erst operational wird, wenn der Inhalt der Zustände und Leistungen angegeben ist, für welche die Kontinuität gefordert wird. Als forstliche Nachhaltigkeit bezeichnete er die Fähigkeit des Forstbetriebes, dauernd und optimal Holznutzungen, Infrastrukturleistungen und sonstige Güter zum Nutzen der gegenwärtigen und künftigen Generationen hervorzubringen. 

Im österreichischen Forstgesetz findet sich der Begriff in der Fassung von 1975 nur in Zusammenhang mit der Rohstoffversorgung und der Erhaltung der Produktionskraft des Bodens, also sehr nutzungsbezogen. In die nun geltende Fassung von 2002 wurde die umfassende Nachhaltigkeitsdefinition der Helsinki-Konferenz beinahe wörtlich übernommen (§1). Darüber hinaus wird im weiteren Gesetzestext die Nachhaltigkeit auch für andere Waldfunktionen gefordert.

Bäume brauchen Platz

Bäume wachsen weder in den Himmel, noch werden sie beliebig dick. Das Dickenwachstum hängt im Wesentlichen davon ab, wie viel Platz (Standraum) sie bekommen. Ist ihr Standraum zu klein, sterben sie durch Konkurrenz oder Schneebruch.

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Abbildung 1: Kreisflächenmittelstamm und die zugehörige Stammzahl pro Hektar

In Abbildung 1 sind von 1700 Probeflächen der Österreichischen Waldinventur der jeweilige Kreisflächenmittelstamm und die zugehörige Stammzahl pro Hektar dargestellt. Die rote Linie begrenzt diese Punktwolke: Je stammzahlreicher die Bestände, umso dünner sind die Bäume. Dieser Befund wird durch die Entwicklung auf unseren Versuchsflächen bestätigt. Auch hier zeigt sich, dass Bestände nicht beliebig dicht werden können. 

Auf den aus Naturverjüngung hervorgegangenen Nullflächen, auf denen keinerlei Durchforstungseingriffe stattfanden, nahmen die Stammzahlen entlang der begrenzenden Linie ab. Die Abnahme war bedingt durch natürliche Mortalität wegen Konkurrenz und/oder abiotische Schäden (Schnee). Im Vergleich dazu wurde auf unseren Flächen in Ottenstein letale Konkurrenz durch rechtzeitige und kräftige Eingriffe verhindert und dem Absterben von Bäumen zuvorgekommen. Diese Vornutzungen reduzieren das Bestandeswachstum nur unwesentlich, tragen aber zur Stabilität bei und ermöglichen die wirtschaftliche Verwertung von Holz, das sonst als Totholz im Bestand verblieben wäre.

Nachhaltigkeit von Folgebeständen

Zur Frage, inwieweit über Umtriebszeiten hinweg nachhaltig produziert werden kann, gibt es leider nur wenige Forschungsergebnisse. Zur Beantwortung wird künftig die Neuanlage des Versuchs am Hauersteig beitragen. Zwar ist noch kein direkter Vergleich möglich, erste Ergebnisse lassen aber ein deutlich schnelleres Wachstum erwarten. Dies konnte auch anhand von Stammanalysen aus zwei aufeinanderfolgenden Bestandesgenerationen nachgewiesen werden: Die Höhenentwicklung (Abbildung 2) in Langbathsee verläuft im Vor- und Folgebestand nur anfangs ähnlich, mit zunehmendem Alter entwickelt sich die Höhe in den Folgebeständen deutlich rascher.

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Abbildung 2: Stammanalysen aus zwei aufeinanderfolgenden Bestandesgenerationen

Auf den beiden anderen Versuchsorten (Ödensee und Thiersee) ist der größere Höhenzuwachs in den Folgebeständen bereits von Beginn an zu sehen, in Thiersee wird nach 26 Jahren ein Höhenvorsprung von etwa 6 Metern erreicht. Die nachfolgende Bestandesgeneration weist also jeweils höhere Wuchsleistungen auf als die ehemaligen Versuchsbestände. Eine Gefährdung der Nachhaltigkeit kann daraus nicht abgeleitet werden.

In Hinblick auf die Kohlenstoffbilanz wird in manchen Publikationen die Meinung vertreten, dass in unbewirtschafteten Wäldern (in Naturwäldern) die jährliche Kohlenstoffspeicherung (Sequestrierung) zwar gering ist, diese Bestände aber einen wesentlich größeren Kohlenstoffspeicher darstellen als bewirtschaftete.

Dazu gibt es zwar nicht viele Untersuchungen, aber doch einzelne Hinweise, zum Beispiel konkrete Zahlen von einem Urwaldrest in Österreich im Vergleich zu Wirtschaftswald erster und zweiter Generation nach Urwald: Die Vorräte sind im Urwald geringer als im Wirtschaftswald und der "Netto"-zuwachs ist eigentlich gleich Null. Der Kohlenstoffgehalt in den Böden ist mit ca. 82 t/ha durchaus in vergleichbarer Größenordnung wie in Böden der bewirtschafteten Wälder.

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