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Thomas Baschny

Bundes­ministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
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Artikel

Autor(en): Thomas Baschny, Ilse Strohschneider
Redaktion: BFW, Österreich
Kommentare: Artikel hat 0 Kommentare
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Forstpflanzenbilanz für Österreich von 1991 bis 2011

Die Forstpflanzenproduktion, besonders von Nadelholz, hat in Österreich eine lange Tradition. Betrachtet man die vergangenen 20 Jahre, spiegeln sich beispielsweise der EU-Beitritt und die Windwurfkatastrophen wider.

Forstpflanzenbilanz für Österreich - Banner

Jährlich werden vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft, Wien, Erhebungsblätter an die Landesforstdirektionen gesandt, um die Produktion und den Bedarf an Forstpflanzen in den einzelnen Bundesländern zu ermitteln. Es werden beim Nadelholz die wichtigsten Baumarten (Fichte, Tanne, Lärche, Weißkiefer, Zirbe, etc.) erfasst, gleiches gilt für das Laubholz (Eiche, Buche, Esche, Bergahorn, Schwarzerle, Vogelkirsche, Pappel, etc.).

Nadelholz-Pflanzenproduktion liegt deutlich über Laubhölzern

Forstpflanzenbilanz für Österreich - Abb 1 - klein
Abbildung 1: Pflanzenproduktion von 1991 bis 2011
 
Forstpflanzenbilanz für Österreich - Abb 2 - klein
Abbildung 2: Fichtenpflanzenproduktion von 1991 bis 2011
 
Forstpflanzenbilanz für Österreich - Abb 3 - klein
Abbildung 3: Pflanzenproduktion von Tanne, Lärche und Weißkiefer von 1991 bis 2011

In Abbildung 1 erkennt man eindeutig, dass mehr als 20 Jahre die Nadelholz-Pflanzenproduktion immer viel höher liegt als jene von Laubholz – trotz des Rückgangs der Nadelholz-Pflanzenproduktion. Nach Sturmkatastrophen (Lothar 1999, Kyrill 2007, Paula und Emma 2008) ist die Nachfrage nach Laubholz viel stärker geworden, jedoch hinkt die Produktion immer um ein bis zwei Jahre nach.

Allgemein ging die Produktion von Forstpflanzen zurück. Grund dafür: Immer mehr Waldbesitzer wählen die Naturverjüngung.

Wurden 1991 noch an die 45 Millionen Fichtenpflanzen produziert, liegt dieser Wert nach 20 Jahren ungefähr bei der Hälfte (Abbildung 2); der Rückgang ist bedingt durch den EU-Beitritt 1995, da sich Förderungsbedingungen bei Aufforstungen geändert haben, und die Stürme seit 1999. Der Flachwurzler Fichte wird durch Lärche, Tanne und Laubhölzer ersetzt.

Lärchenpflanzen sind besonders gefragt

In Abbildung 3 ist die steigende Nachfrage nach Lärchenpflanzen im letzten Jahrzehnt zu sehen. Die Lärche als Rohbodenkeimer und Pfahlwurzler ist eine gefragte Baumart, jedoch kann nicht häufig beerntet werden, da die Reife­jahre selten sind. Wetterkapriolen im Frühjahr verhindern eine Zapfenbildung. Daher wird auch Saatgut aus den angrenzenden EU-Mitgliedsstaaten zum Anbau im Forstgarten verwendet. Bei der Weißkiefer sinkt die Nachfrage, da auch auf dem Holzmarkt die Nachfrage stagniert. Die Pflanzenproduktion bei Tanne bleibt annähernd gleich. Eine fünfjährige Tanne ist erst verkaufsfähig und dann wird sie auch gerne vom Wild verbissen, daher wird mit ihr wenig aufgeforstet. Der Ausreißer beschränkt sich auf ein Bundesland und wird daher nicht berücksichtigt.

Eschentriebsterben hinterlässt seine Spuren

Vergleicht man die Pflanzenzahlen der Esche über zwei Jahrzehnte, so erkennt man, dass ab 2005 weniger zweijährige Eschen verkauft wurden; das Eschentriebsterben breitet sich langsam in Österreich aus (Abbildung 4 und Initiative "Esche in Not"). Als Ersatz wird mit Bergahorn aufgeforstet, daher steigen dessen Pflanzenzahlen gegenläufig an.

Bei Schwarzerle erkennt man auch den Produktionsrückgang, bedingt durch Phytophtora. Hier zeigt sich aber seit 2007 wieder ein Aufwärtstrend, da nach den Stürmen die Schwarzerle auf nassen Standorten gefragt ist.
In Abbildung 5 ist die Pflanzenproduktion von Eiche dargestellt. Bei den Eichen werden die Eicheln sofort nach der Ernte angebaut; es gibt keine Eichel-Lagerung in Österreich. Da die Eiche nicht regelmäßig in kurzen Zeitabständen fruktifiziert, ergeben sich die "Spitzen".

Forstpflanzenbilanz für Österreich - Abb 4 - klein
Abbildung 4: Produktion von Eschen-, Ahorn- und Erlenpflanzen von 1991 bis 2011
 
Forstpflanzenbilanz für Österreich - Abb 5 - klein
Abbildung 5: Produktion von Eichen- und Buchenpflanzen von 1991 bis 2011
 
Forstpflanzenbilanz für Österreich - Abb 6 - klein
Abbildung 6: Entwicklung der Anzahl von Forstgärten

Die Buche hat in Österreich keine große Bedeutung wie in anderen EU-Mitgliedstaaten. Mit zwei Ausnahmen (Saatguthändler und Forstpflanzenproduzent) wird die Buche nach der Ernte auch nicht gelagert. Die Produktion bei Buche ist nach 21 Jahren gering rückläufig.

Weniger Forstgärten

Interessant ist, dass es immer weniger Forstgärten in Österreich gibt (Abbildung 6): Waren es 1991 noch 347 Betriebs- und Handelsforstgärten, so sind es 2011 nur mehr 134 Forstgärten; so sank auch die Produktionsfläche von 733 ha auf 498 ha.
Seit dem EU-Beitritt nehmen über zehn Jahre die Anzahl der Forstgärten und die Hektare der Anbauflächen stetig ab. Mit 2005 beginnt der Pappel-Boom; es werden vermehrt forstliche Pappelsteckhölzer und Setzstangen sowie Steckhölzer für Bioenergie produziert; daher steigt die Anbaufläche und für zwei Jahre die Anzahl der Forstgärten.

Zu beachten ist außerdem, dass der Landesforstgarten Kärnten 1997 seine Tätigkeit aufgab. 2001 folgte die Österreichische Bundesforste AG mit der Verpachtung des Zentralforstgartens in Arndorf (Niederösterreich) an die Firma Murauer und 2006 schloss der Landesforstgarten Oberösterreich seine Pforten. Diese Forstgartenflächen übernahmen die Bäuerlichen Forstpflanzenzüchter (BFZ).

Trotz gewisser Ungenauigkeiten bei der Erfassung bildet die Forstpflanzenbilanz der letzten zwei Jahrzehnte doch sehr gut die aufgetretenen extremen Schadereignisse oder neuen Schädlinge ab. Auch die großen gesellschaftlichen Trends zu Einsparungen auf betrieblicher Ebene (weniger Forstgärten), mehr Naturverjüngung und verstärkter Handel auf EU-Ebene spiegeln sich in den Zahlen und verdeutlichen, dass bei der Verjüngung nicht notwendigerweise die für den Wald wichtigen langfristigen Ziele der nachhaltigen Bewirtschaftung oberste Priorität haben. Es ist anzunehmen, dass auch gegenwärtige Entwicklungen, wie die steigende Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen oder der Wunsch nach alternativen Baumarten im Klimawandel, einen Einfluss auf den Forstpflanzenabsatz haben werden.

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