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Artikel

Autor(en): Dr. Kurt Ramskogler, Christoph Hartleitner
Redaktion: BFW, Österreich
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Herkunftssicherheit und Saatgutversorgung

Die genetische Qualität von Saat- und Pflanzgut kann in der Forstwirtschaft meist erst nach Jahren beurteilt werden. Die Folge von minderwertigem Vermehrungsgut sind Zuwachsverluste, schlechte Holzqualitäten, Einbußen in der Stabilität und Vitalität, verbunden mit einer höheren Anfälligkeit gegenüber Schadorganismen.

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Keine Waldbesitzerin und kein Waldbesitzer, natürlich auch nicht die Nachfolge-Generation, möchten ihre produktive Waldfläche mit diesen Eigenschaften vorfinden. Mit der Wahl von qualitativ hochwertigem Saat- und Pflanzgut investiert der Waldbesitzer in die Zukunft und kann die Leistungsfähigkeit der Wälder steigern. Aus diesen Gründen kommt dem "richtigen" Saat- und Pflanzgut eine sehr hohe Bedeutung zu.

Geringer Stellenwert in der forstlichen Praxis

Die wenigsten Forstbetriebe besitzen heute noch Forstmaschinen, trotzdem kennen sich die meisten Forstleute bestens bei Harvestern, Traktoren und Seilgeräten aus, während das Wissen über Saatgut, die Beerntung von anerkannten Beständen, Samenplantagen und die Qualität von Forstpflanzen nur wenig ausgeprägt ist. Vor wenigen Jahrzehnten, als die meisten Forstbetriebe noch ihre eigenen Forstpflanzen produzierten, war dieses Wissen sicher noch stärker im forstlichen Bewusstsein verankert. Auch in der Ausbildung schenkte und schenkt man diesem Thema zu wenig Aufmerksamkeit.

Das mag daran liegen, dass Aufforstung oft nicht mit sehr positiven Emotionen besetzt ist. Sie verursacht Kosten, ist eine arbeitsreiche Periode im Jahr und der Erfolg stellt sich erst ein, wenn die Kultur gesichert ist. Es hängt aber sicher auch mit den mäßigen Holzerträgen und den damit verbundenen Personaleinsparungen in den vergangenen Jahrzehnten zusammen.

Dieser Kernkompetenz der Forstwirtschaft sollte künftig wieder verstärkte Aufmerksamkeit zukommen, denn sie ist die grundlegende Weichenstellung zur Sicherung von stabilen, leistungsfähigen Wäldern. Derzeit sind die Holzpreise gut und mittel- bis langfristig sollte einer weiteren Aufwärtsbewegung nichts im Weg stehen.

Der nachwachsende Rohstoff Holz liegt im Trend, wird weltweit vermehrt nachgefragt und ein Versorgungsengpass wird prognostiziert. Dies hat mehrere Gründe: die Weltbevölkerung wächst, die Nutzung von Holz als ökologischer Werkstoff nimmt zu, ebenso vergrößert sich die Waldfläche, die außer Nutzung gestellt ist.
Angesichts dieser Aussichten ist es dringend geboten, dass auch in Österreich der Bestandesbegründung und dem Wissen über das richtige genetische Material wieder ein höherer Stellenwert eingeräumt wird.

Qualität entscheidet

Vermehrt man astige, abholzige, krumme Bäume mit geringer Massenleistung, werden die Nachkommen ähnliche, unerwünschte Qualitätseigenschaften aufweisen und dem Waldbesitzer beim Holzverkauf beträchtliche Mindererträge liefern. Dies gilt sowohl für die Aufforstung als auch bei natürlich verjüngten Beständen. Jede Fichte ist grün, aber dahinter steckt viel mehr.

Schon im Forstgarten ist ersichtlich, dass Fichte nicht gleich Fichte ist. Je nach Herkunft und Höhenlage haben Bäume unterschiedliche Zuwachsleistungen, Trockentoleranz, Austriebs- und Verholzungsverhalten. Um sicherzustellen, dass das passende Material auch wirklich bei der Waldbesitzerin und dem Waldbesitzer ankommt, muss die Herkunft von Beginn an nachvollziehbar sein. Als Ausgangsbasis dient das Stammzertifikat eines anerkannten Erntebestandes. Kommt das Saatgut in Produktion, sollte eine Referenzprobe zur Überprüfbarkeit abgelegt werden. Danach bedarf es einer genauen Kennzeichnung der Keimlinge. Diese Durchgängigkeit muss, bis die Forstpflanzen dem Kunden über­geben werden, gewährleistet sein.

Das österreichische forstliche Vermehrungsgutgesetz setzt im internationalen Vergleich sehr hohe Standards hinsichtlich der Kennzeichnung und Nachvollziehbarkeit von Beerntungen. Zusätzlich sollten verstärkt stichprobenartige Über­prüfungen von Saatgut und Forstpflanzen mit genetischen Fingerabdrücken durchgeführt werden, um die offen und sauber arbeitenden Forstgärten vor potenziellen "schwarzen Schafen" zu schützen.

Samen von Waldbäumen sind ein sehr wertvolles Gut. Die Saatgutversorgung in Österreich ist derzeit nicht zufriedenstellend. Bei gewissen Baumarten und Herkünften sind bereits jetzt Versorgungsengpässe gegeben. Vor allem der Lärche sollte verstärkte Aufmerksamkeit zukommen. Durch die Witterungsverläufe und diverse Schädlinge kam es in den letzten Jahren nur sehr regional zu Vollmasten.
Um in Zukunft die Forstwirtschaft mit qualitativ hochwertigem Pflanzenmaterial versorgen zu können, müssen das Blühverhalten und die Zapfenentwicklung genau beobachtet und etwaige Erntemöglichkeiten erwogen werden. Nur der Forstmann und die Forstfrau vor Ort können diese Beobachtungen machen, um bei entsprechendem Zapfanhang eine Beerntung in die Wege zu leiten.

Saatgut aus guten Mastjahren bedeutet gute Keimfähigkeit und gesunde Pflanzen. Grundsätzlich sollte Saatgut aus Vollmasten weitervermehrt werden. Dies ist neben einem vitalen und geschützten Wurzelsystem, optimierter Logistik, richtigem Pflanzverfahren ein wesentlicher Faktor für hohe Anwuchsraten und die Verkürzung des Verjüngungszeitraumes. Zudem garantiert es auf Basis der Saatgutuntersuchungen eine sichere und wirtschaftliche Pflanzenproduktion im Forstgarten.

Forschung forcieren

Um die Holzproduktion auf den bestehenden Flächen zu steigern, bedarf es zielgerichteter Forschung, die in der Praxis umgesetzt werden kann.
Im internationalen Vergleich gibt es einige Vorreiter: Allen voran Schweden und die USA. Diese Länder erzielten durch konsequente Umsetzung von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen eine Erhöhung des Zuwachses um 20 Prozent und mehr  (Abbildung). Österreich als Land mit hoher forstlicher Kompetenz hat hier sicher einen enormen Nachholbedarf.

Herkunftssicherheit und Saatgutversorgung Abb1
Abbildung: Potenzieller Jahreseinschlag Schweden

Gewiss ist, dass sich durch gezielte Auswahl (Züchtung) eine beträcht­liche Leistungs- und Stabilitätssteigerung erzielen lässt. Dabei ist es auch möglich, gewisse Parameter wie etwa Trockentoleranz zu berücksichtigen, um auch einer etwaigen Klimaänderung entgegen zu treten und stabile Wälder zu erziehen. Diese Zielsetzung ist nicht in einem Jahr umsetzbar, sondern bedarf jahrelanger Forschung und Entwicklung.

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