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Artikel

Autor(en): Konrad Heino, Sieberer Karl, Golesch Gerald, Litschauer Rudolf
Redaktion: BFW, Österreich
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Bewertung: Zu Favoriten Druckansicht 54.3354.3354.3354.3354.33 (48)

Qualitätssaatgut aus Samenplantagen

Die Versorgung der Forstbetriebe mit Vermehrungsgut, dass wirtschaftlichen (Zuwachs, Holzqualität) und ökologischen Zielen (genetische Vielfalt, lokale Angepasstheit) entspricht, ist ein Grundpfeiler einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung.

Qualitätssaatgut aus Samenplantagen - Abb. 1
Abbildung 1: Plantage

In Österreich wird ein Großteil des Saatgutes aus zugelassenen Erntebeständen gewonnen, weitere Samen werden aus dafür speziell angelegten forstlichen Samenplantagen geerntet. Gegenwärtig evaluiert das BFW sein Plantagenprogramm.

Das Institut für Waldgenetik des Bundesforschungszentrums für Wald betreibt das vom BMLFUW geförderte Programm der forstlichen Samenplantagen. Neben der Erhaltung und dem Schutz von seltenen Baumarten wird in diesen Plantagen auch hochwertiges Saatgut gewonnen. Derzeit existieren 56 Plantagen von 18 Baumarten auf einer Fläche von 79,4 ha (Abbildung 1). Neben den Wirtschaftsbaumarten (Fichte, Lärche, Kiefer, Tanne, Eiche, Berg­ahorn, Kirsche, Schwarzerle, Esche) wurden auch Plantagen für seltene Baumarten wie die Wildobstarten sowie Ulme und Spirke angelegt.

Österreichs Erhaltungs-Samenplantagen wurden Ende der 1980er Jahre angesichts des Waldsterbens primär zur Sicherung von gefähr­deten Baumpopulationen und erst in zweiter Linie zur Gewinnung von Saatgut angelegt. Dabei wurden Populationen ausgewählt, die selten oder bereits vom Aussterben bedroht waren oder aus anderen Gründen erhaltungswürdig erschienen.

Einzelbäume dieser Arten wurden im Wege einer xenovegetativen Vermehrung (Veredelung) zu künstlichen Populationen zusammengefasst, um durch generative Vermehrung eine möglichst hohe genetische Variation in der Nachkommenschaft zu erreichen.

Effiziente Produktion von hochwertigem Saatgut

Das aus diesen Samenplantagen gewonnene Saatgut dient heute als wichtige Quelle für die Produktion von forstlichem Vermehrungsgut –  ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung der genetischen Diversität der betreffenden Baumarten. Die Plan­tagen sind einfacher zu beernten und die Erntemengen je Beerntung sind in den Plantagen auch wesentlich höher als in den Beständen (Abbildung 2).

Daraus ergibt sich, dass für einige Baumarten in den letzten Jahren überhaupt nur Plantagensaatgut geerntet wurde. Die Bäume in den Plantagen werden optimal mit Licht- und Nährstoffen versorgt, deshalb ist Plantagensaatgut zumeist den Bestandesbeerntungen auch in Vollkornanteil und Keimkraft überlegen.

Qualitätssaatgut aus Samenplantagen - Abb. 2
Abbildung 2: Bestand, Plantagen

Anlage und Pflege der Generhaltungsplantagen

Die Plantagenstandorte sollen so ausgewählt werden, dass kein Fremdpolleneinfluss stattfinden kann.  Der jährlich schwankende Polleneintrag aus der Umgebung wurde vor der Anlage der Plantagen bei windblütigen Baumarten mit Hilfe einer Pollengravitationsfalle festgestellt. Für Samenplantagen wurden fast ausschließlich Propflinge verwendet. Die Reiser wurden im höheren Kronenbereich gewonnen, um frühzeitige Blühbereitschaft bei den Pfropflingen zu erlangen.

Nach Erstellung des Klonverteilungsplanes wurden die zwei- bis vier­jährigen Propflinge so ausgepflanzt, dass jedes Individuum (Ramet) eines Klons von den Rameten anderer Klone umgeben ist und in jeder Wiederholung jeweils neue Klonkombinationen vorhanden sind, um die Erb­anlagen der Nachkommenschaft optimal zu durchmischen. Bei einer durchschnittlichen Plantagengröße von 1,5 ha wurden etwa 50 Klone mit vier- bis fünffacher Wiederholung gepflanzt.

Um eine optimale Leistungsfähigkeit der Plantagen zu erreichen, ist eine entsprechende Pflege (Mähen, Düngen, Forstschutz) besonders in der Jugendphase essentiell. Die Bewirtschaftung der Erhaltungssamenplantagen wird teilweise ganz vom BFW (wie etwa die Plantagenzentren Allentsteig und Königshof) oder in Kooperation mit den Bundesländern Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und Tirol durchgeführt. Die Kosten der Plantagenbewirtschaftung werden den Bundesländern vom Lebensminis­terium rückerstattet, gleichzeitig können die Länder einen Teil des gewonnenen Saatgutes über ein Vorkaufsrecht erwerben.

Neben den öffentlich verwalteten Samenplantagen wurden auch Plusbaumsamenplantagen von Forstbetrieben angelegt, die einen Schwerpunkt auf Züchtung und erhöhte Qualität der Nachkommenschaft legen.

Die aktuelle Liste der für die Saatgutgewinnung zugelassenen forstlichen Samenplantagen kann über Internet (http://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=6539) eingesehen werden.

Weiterentwicklung des Plantagenprogrammes

Aufgrund notwendiger Sparmaßnahmen wird das Plantagenprogramm des BFW gegenwärtig evaluiert. Flächen, die für die Generhaltung wenig Priorität haben, sollen aufgelassen werden; auf den verbleibenden Flächen soll die Pflege intensiviert werden, um die Samenproduktion zu steigern. Für die Wirtschaftsbaumarten wird derzeit eine Strategie entwickelt, um die Plantagen züchterisch weiterzuentwickeln. Dazu sollen Nachkommenschaften von Einzelklonen in Versuchsanbauten beurteilt und Plantagen um ausgelesene Klone erweitert werden. Über mehrere Zyklen der Nachkommenschaftsprüfung und Auslese von Eliteklonen kann so eine erhebliche Produktionssteigerung erzielt werden (Abbildung 3).

Qualitätssaatgut aus Samenplantagen - Abb. 3
Abbildung 3: Zyklen der Nachkommenschaftsprüfung und Auslese von Eliteklonen

Ähnliche Züchtungsprogramme laufen bereits in vielen anderen Ländern. Auf diese Weise soll langfristig sichergestellt werden, dass den österreichischen Forstbetrieben qualitativ hochwertiges und regional angepasstes hochleistungsfähiges Vermehrungsgut in ausreichender Menge zur Verfügung steht.

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