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Autor(en): Redaktion waldwissen.net – LWF
Redaktion: LWF, Deutschland
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Kronjuwel Spirkenwald

Sie ist typisch für die Moore in Bayern, weltweit betrachtet aber eine Seltenheit: die Spirke. Gerade weil es diese Art nur hier gibt, haben wir für Pinus rotundata eine besondere Verantwortung.

hochwüchsiges Spirkenfilz
Abb. 1: Hochwüchsiges Spirkenfilz auf Übergangsmoor (Foto: S. Müller-Kroehling)

Die Spirke (Pinus rotundata) ist ein Juwel unter den bayerischen Moorarten! Weltweit gibt es Sie nur in Bayern und den angrenzenden Ländern von der Schweiz bis Tschechien und Sachsen. Die von ihr aufgebauten "Spirkenfilze" sind das natürliche Waldkleid vieler Moore Bayerns – nur in der Rhön fehlt sie natürlicherweise. Spirkenfilze treten als Krüppelwald oder bei leichtem Mineralbodenwasser-Einfluss auch als höherwüchsiger Hochwald auf. Sie neigen nicht zum Dichtschluss. Die Spirkenfilze wurden wegen ihrer Eigenart auch von Forstseite frühzeitig als etwas Besonderes und Schützenswertes erkannt.

Besonderheit Spirke

In den Spirkenfilzen leben auch viele der bayerischen Moorarten ganz bevorzugt, beispielsweise der Hochmoorlaufkäfer (Carabus menetriesi pacholei) oder der nordische Schwimmkäfer Agabus wasastjernae. Letzterer besiedelt die kleinen, dauerkalten "Spirkenlöcher", die entstehen, wenn eine Spirke samt Wurzelteller umfällt.

Allelopathie

Die Spirke ist die einzige heimische Baumart, die mit dem Hochmoor mitwachsen kann. In Richtung Moorzentrum ist ihr Wachstum dennoch zunehmend auf günstige Kleinstandorte konzentriert. Intakte und naturnahe Spirkenfilze weisen ein lichtes Kronendach auf. Das ist bedingt durch eine natürliche Walddynamik aus Bruch und Wurf, einschließlich der Besiedlung mit verschiedenen Borkenkäferarten. Hinzu kommen allelopathische Wirkungen der Zwergsträucher (z.B. Rauschbeere) in ihrem Unterwuchs. Damit neigt die Spirke über alle Baumschichten hinweg nicht zu schattigen Bestandsbildern.

Schutz der Spirke

Seit das Bayerische Naturschutz-Ergänzungsgesetz vollständig außer Kraft ist, genießt die Spirke als Art keinen speziellen Schutz mehr. Aufgrund ihrer Bedeutung, Gefährdung und weltweit kleinen Verbreitung wäre es mehr als wünschenswert, wenn sie in die Liste der deutschen Verantwortungsarten aufgenommen wird. Spirkenfilze als Waldtyp sind bereits jetzt geschützte Lebensräume (§ 30 BNatschG). Zudem genießen sie in den FFH-Gebieten als prioritärer Lebensraum-Subtyp *91D3 den Schutz des gesetzlichen FFH-Verschlechterungsverbotes.

Rodungen von Spirkenfilzen sollten in jedem Fall unterbleiben. Das gilt auch dann, wenn lichtliebende Moorbewohner gefördert werden sollen, beispielsweise der an der Rauschbeere fressende Hochmoorgelbling (Colias palaeno). Für diesen kommt es vielmehr an erster Stelle auf die nötige Feuchtigkeit am Wuchsort der Rauschbeere an. Außerdem sollten die Nektar-Saughabitate der ausgewachsenen Falter in den nahen, artenreichen Nasswiesen des Moorrandes erhalten oder wiederhergestellt werden. Davon profitiert vielfach auch das ganze Moor in verschiedener Hinsicht. 

Literatur

Bußler, H. (2005): Ilybius wasastjernae SAHLB., 1824, im Allgäu nachgewiesen. Nachr.bl. bayer. Ent. 54(3/4): S. 122–123

Hohenstatter, E. (1973): Das Moor als Standort von Pinus mugo arborea. AFZ 51/52: S. 1123–1128

Lutz, J.L. (1956): Spirkenmoore in Bayern. Ber. Bayer. Bot. Ges., S. 31–58-69

Müller-Kroehling, S. (2006): Verbreitung und Lebensraumansprüche der prioritären FFH-Anhang II-Art Hochmoorlaufkäfer (Carabus menetriesi pacholei) in Ostbayern, und Hinweise zu Ihrem Schutz. – Angewandte Carabidologie Suppl. 5: S. 65–85

Müller-Kroehling, S. (2010): Eine Spirke (Pinus rotundata LINK) im Schwarzen Moor der Rhön (Landkreis-Rhön-Grabfeld) und die Frage ihrer Herkunft. Abh. Naturwss. Ver. Würzburg Bd. 47/48: S. 161–166

Rösler, R. (1994): Der Spirkenbestand des Naturwaldreservates »Gscheibteloh« in der Oberpfalz. Forst und Holz 49: S. 36–40

Schmidt, O. (1993): Schäden durch Buchdruckerbefall an Spirken. AFZ 11: S. 548

Schmid, J.; Bogenrieder, A.; Schweingruber, F.H. (1995): Verjüngung und Wachstum von Moor-Kiefern (Pinus rotundata LINK) und Fichten Picea abies [L.] H. KARSTEN) in Mooren des südöstlichen Schwarzwaldes. Mitt. WSL 70 (2): S. 175–233

Wagner, A. (2000): Minerotrophe Bergkiefernmoore im süddeutschen Alpenvorland unter besonderer Berücksichtigung ihrer syntaxonomischen Stellung. Diss. TU München, 175 S.

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